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cento_an:1ter_de5

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1TER de5

Terminatio de quinto tono - PROTUS von der Quint

150 mal wird diese Melodie im Kernrepertoire verwendet (alles zusammen 300mal). Sie ist der Protus authenticus.

Der letzte Akzent

Mit dem letzten Akzent erreicht die Centomelodie die Finalis re, egal ob das letzte Wort Paroxytonon (PO) 0684, Propoaroxytonon (PPO) 0686 oder Oxytonon (O) 0109 ist. Bei PPO wird die Binnensilbe vor Vernachlässigung geschützt (beachte z.B. im französischen: „dominus“ – „domnus“) indem sie mit kurrentem Pes versehen ist (Virga urgens). Der erste Ton des Pes ist hier sicher nicht mehr als ein portamento. In den Quadratnoten der Tabellen vernachlässigen wir diesen BinnenPes und notieren ihn im Text kursiv ( „do-mi-nus“)

Vor dem letzten Akzent

Der Wert dieses letzten Akzentes, seine Schwere, ist von der Neume zuvor beeinflusst: Die Clivis führt verbindend in den Akzent 0438 und nimmt so seinen Wert etwas zurück, der Cephalicus staut den Akzent an 0909 und wertet ihn so auf. Nie kann diese letzte Neume vor dem Akzent durch Diärese auf zwei Silben aufgeteilt werden.

Synerese + Diärese

Einzelne Töne des Cento können durch Synärese und Diärese in unterschiedlicher Weise den Textgegebenheiten angepasst werden.

la-sol kann zur Clivis zusammengezogen werden (Synerese), wenn zu wenig Silben zur Verfügung stehen 0426, ebenso mi-fa zum Pes 0235. Die Regeln nach denen dabei die Akzente behandelt werden, sind schwer festzulegen.

Ein anderer Fall ist die Clivis sol-fa 2018. Der Terzsprung nach unten sol-mi kann durch die Clivis sol-fa aufgefüllt werden, wenn ein fließendes Weitergehen im Text erforderlich ist.

Wenn die Texte zu lange werden, kann der Cento TER de5 nach vorne erweitert werden: Beginnt der Text mit einem PPO, kann der zweite Ton des Cento, das sol verdoppelt werden 1827, die Wiederholung der Melodiebewegung la -sol 0075 eignet sich bei noch einer Silbe mehr.

zum Cephalicus

Ein eindrückliches Beispiel für die Bedeutung des Cephalicus ist der Vergleich der Lucia-Antiphonen 0055 und 0056. Im ersten Fall wird die Clivis auf der Silbe vor dem letzten Akzent zum Cephalicus reduziert und damit „christi“ zum wichtigeren Akzent. Im zweiten Fall wird die Virga auf dem Akzent „spónsa“ zum Cephalicius erweitert und damit dieser Akzent der wichtigere. Der unterschiedliche Sinngehalt der so ähnlichen Texte ist damit überzeugend ausgesprochen: Lucia ist Zeugin Christi, ja ist sogar die Braut Christi.„

„Lucia martyr) Chrísti“ 0055 „Lucia, Zeugin) > Chrísti „Lucia spónsa Christi“ 0056 „Lucia, Bráut Chrísti.

Wenn auch im ersten Fall der Cephalicus, traditionell benannt, diminutiv (von der Clivis hergeleitet) ist und im zweiten Fall augmentativ, so sind sie in der Neumenschrift und als Klangereignis ident: ein einziger klanglich vermehrter Ton. Wäre im ersten Fall der Cephalicus eine „diminutive Liqueszenz mit einem zweiten kleinen Ton“, so wäre der Stau zerstört, der Cephalicus überflüssig und es könnte gleich die Clivis stehen bleiben.

Übersteigernde Erweiterung

Eine weitere Möglichkeit den Cento TER de5 auszuweiten ist der Einschub eines weiteren übersteigernden Akzentes (Pes sol-la) nach dem Melodiehochpunkt sol 1341, die FML supra

Diese Übersteigerung kann allerdings auch ohne Erweiterung des Cento geschehen. Der Pes sol-la wird einfach als Akzentsteigerung auf das sol aufgesetzt. Diese Akzentsteigerung ist nicht der TER de5 vorbehalten, sondern findet sich als Zusatz auf fast allen TER des PR1.

Ohne das anlautende „mi“ mit unterschiedlichen Einleitungen festigt es sich zu einer eigenen kleinen TER-Formel, die nicht mehr auf den Protus beschränkt bleibt .

Allerdings liegt der letzte Akzent nun nicht mehr am Ende auf re, sondern auf dem Akzentpes sol-la selbst. Diese Formel wird gerne im PR de4 verwendet, kommt aber vor allem vor allem im 8.Modus häufig vor. Damit sind die Grenzen des Protus überschritten und damit auch die Grenzen einer auf nur einen Modus beschränkten Centologie.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die 1TER de5 (Protus von der Quint) führt den Sprachbogen vom emotional hochgespannten Ténor „la“ zur Finalis „re“, und korreliert somit mit den Incipits zum la. Ist die Aussagespannung der Antiphon nur auf mittlerer Höhe, so verkürzt sich der Cento zum 1TER de3.

Doppelpunkt

An dieser Stelle ist auch von einem Faktum zu reden, das in anderen Centones häufiger und signifikanter auftritt, systematisch aber bereits hier seinen Platz hat: dem „Doppelpunkt“ = „colon“. Wenn ein Cento nicht einfach abschließen soll, sondern weiterverweist, wie es im Text mit Doppelpunkt oder auch Fragezeichen angezeigt wird, so unterlegt der Gregorianische Choral wie die gesprochene Sprache den Text nicht so, dass mit dem letzten Akzent die Finalis erreicht ist („ich will dir ja gláuben“) sondern der Akzent bleibt oben und erst die letzte Silbe fällt („ich will dir ja gláuben“), ein nachfolgendes „aber…“ wird hörbar.

Dieses Öffnen eines Centos auf den nächsten hin, dieses Weiterführen, bestätigend (Doppelpunkt) oder fragend (Fragezeichen), geschieht in Finalformeln durch „falsche“ Unterlegung des Textes, in Incipit- und Mediumformeln endet der Cento in diesem Fall mit einem anderen Ton als dem üblichen.

Torculus

Soll innerhalb des Cento TER de5 eine Silbe nachdrücklich hervorgehoben werden, so wird sie mit Torculus versehen. Der Torculus „schmückt“ eine Silbe. Er ist einerseits ein „Pes flexus“, der Pes akzentuiert ihn, andererseits ist er eine „Clivis urgens“. Die Clivis breitet die Silbe aus.


Musterbeispiele

0851 Wo in der hebr.Bibel das Tetragramm für den Gottesnamen steht, schreibt die LXX „kyrios“. Im Cantus Gregorianus wird das übertragen, indem „Do-MI-NÚS“ auf der letzten Silbe betont ist, erst die letzte Silbe die Finalis erreicht.

1923 Der Unterschwung zum „do“ auf der vorletzten Silbe betont diese „videt té“, ohne den Cento mit colon zu versehen.

0677 Der Quintfall „dol-do“ spricht für sich: 'große Überraschung'.

0235ff FML supra

0723f absteigende Bewegung.


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3

4

1TER de5 + Trc

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1TER de5 + supra

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non typos

cento_an/1ter_de5.txt · Zuletzt geändert: 2024/06/20 06:50 von xaverkainzbauer