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AN IV 1️⃣ 2️⃣ 3️⃣ 4️⃣ 5️⃣ 6️⃣ 7️⃣ 8️⃣ RP VS Var


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0001 AN Ecce nomen domini venitModus 1

Ecce nomen domini / vénit de loginquo / 
et claritas eius : replet orbem terrarum.

53321 TYPOS0018

Der aus drei Bibelstellen kompilierte Text (Is 30,27; Lc 2,9; Sap 1,7) bildet die Überschrift über das ganze Kirchenjahr. Dem entsprechend ist er ein Text in klassischer Vierteiligkeit, ein Typos Protus authenticus:

1INC Clv Incipit cum clive, Dieser Cento führt vom „re“ zum „la“, die Hauptaussage folgt unmittelbar.

Das INC Clv (Incipit cum clive) eröffnet die meisten Antiphonen des Protus authenticus (PR1). Der augmentative Cephalicus auf „no-men“ rundet einerseits das Wort „nomen“ im nachhinein ab und macht es daher etwas wichtiger, andererseits staut er vor dem nächsten Wort „dómini“ und verstärkt auch dieses.

1MED mdt Hauptaussage „venit“ auf „sa“ (?!) steigt zur Mediatio (Mittelkadenz?) „sol“ ab.

Die Mediatio, das Ende des ersten Halbverses, trägt die Sinnspitze der Antiphon „vénit“ und führt zur Mittelkadenz (Mediatio, Asteriscus). Hier setzt der „Komponist“ alles ein, was gut und teuer ist. Entgegen der Normalform steigt die Sinnspitze zum do und begrüßt den, der da kommt mit

NMA appl (applicatio = Zuwendung, in der barocken Figurenlehre die Circulatio). Die Endsilbe des Schlüsselwortes „ve-nit“ wird mit dem Torculus der Wortartikulation (Wortendetorculus TrcWA) abgerundet. „de longinquo“ „von weither“ wird ebenfalls aufgewertet.

FML PeCl, eine etwas größere Form Torculus mit (Trc) und Clivis (Clv) sind über Pes+Virga gestülpt.

1MED nov Neuanfang (Reintonatio) führt vom „sol“ zum „fa“.

Die Reintonatio NEO ist wieder schlicht, nur der Cephalicus „é-ius“ gibt dem Wort mehr Gewicht und der Pes auf der Endsilbe, am Ende des Cento, verweist weiter, macht Doppelpunkt. Die übliche Erklärung des Pes quassus weist ihm eine „Strebetendenz“ zu. An dieser Stelle muss sich der Pes aber eher zurücknehmen, um dem Folgenden nicht im Weg zu stehen. Die Erklärung als Zeichen für den Centoübergang kommt der konkreten Sprechsituation näher.

1TER penult endet auf der Finalis „re“.

Die TER penult, die Finalformel für Texte mit Betonung auf dem vorletzten Akzent, ist hier richtig: „replet órbem terrarum“ = „erfüllt die gánze Welt“. Die Clivis auf „re-plet“ beschleunigt den Text auf den Akzent hin, der Cephalicus auf „ter-rarum“ lässt den letzten Akzent nicht ganz neben dem Hauptakzent auf der vorletzen Silbe untergehen.

ant/0001.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/26 10:46 von xaverkainzbauer