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Dieses Responsorium eröffnet die Fastenzeit, ist daher eines der bekannteren des Repertoires und auch in allen ausgewählten Quellen vertreten.
◽️: Dieser Cento verwendet den 4.Modus.

1. Periode

A ◽️ accentus incipiens. Der Cento rezitiert auf „mi“ vide Bv+Tol. Wie meist, die jungen Handschriften (Fo, Lc, Wm) aber auch „H und MR auf Linien“ = Ka und Wc sind der do-Revision anheim gefallen.
Die Wahl des 4. Modus ermöglicht das Tieflegen der Melodie: Rezitation auf der Finalis „mi“.
„Ec-ce: Der Trc specialis in H (langgezogener Mittelteil der Graphie) Fo+Tol reduzieren ihn zur Clv, ist in MR ein PesSbp, so auch Wc + Bv. Das Quilisma ist nirgends als Ton übertragen! Centotyisch ist an dieser Stelle die kClv „fa-re“. Die Erweiterung zum Trc ist als Clivis emphatica zu verstehen, eine mit Portamento angesungen Clivis. MR macht aus der Silbe überhaupt einen PesSbp der eine wichtige Aussage markiert.
„accepta-bi-le“: Bv etabliert in der CAD mit dem Oriscus den Ton „fa“, um im nächsten Cento mit dem zweiten „ec-ce“ sofort wieder durch einen weiteren Oriscus auf „mi“ zu korrigieren (Bv1+Bv2).

B accentus incipiens.
„ecce nunc“: Die fallende Linie ist in MR gut abzulesen. Nur Ka und Wm revidieren das „mi“ zum „fa“. Der tiefste Ton das „do“ wird in den adiastematischen Quellen mit Virga strata (~Vrg = Oriscusvirga) markiert. Nur Fo2, Tol und Bv1 sehen das als zwei Töne; T1 appliziert dem Punktum einen Oriscus, wie das auch H und MR tun. Wc, Lc, Ka schreiben zweifelsfrei nur einen Ton. Einen „zweiten Liqueszenzton“ kann man nur in Fo2 und Bv ablesen.
„dies“: rezitiert wieder auf „mi“ s.o.
„salutis“ Das Melisma ist in H und MR unterschiedlich, aber beidemale 9tönig. Wc,Fo und Bv füllen die Terzsprünge im MR auf zu 11 Tönen (Plerosis). Lc, Tol + Wm bieten eine Art Kompromiss zwischen den beiden Traditionen.
Die CAD dt wird durch den beschließenden EinklangSalicus zum Doppelpunkt colon. Wc wandelt die Neume wie üblich zum Por. Nicht wenige reduzieren zum HalbtonPes.

2. Periode

C ◽️ accentus incipiens.
„commendémus“: Bv nimmt das Wort auftaktig, am ersten Ton (Mc auch am 2.Ton) leicht.
Der Akzentton muss „si“ sein. Das „sa“ in Fo + Wm ist durch das „do“ in Ka revidiert.
„nosmedipsos“: Der Schlusston ist „mi“, so Bv + Tol, aber auch Lc!

D non typos.
„in mul-ta“ Bv füllt den Terzsprung auf, obwohl kein Quilisma als Vorwand zur Verfügung steht – Plerosis!
„patien-ti-a“ Der unisonische Anschluss vom 4. zum 5.Ton im Melisma („fa-fa“) ist jüngeren Datums. Tol + Bv schreiben „mi-fa“, daher ist wohl auch MR so zu verstehen. Unterschiedlich ist die Artikulation:
MR bleibt auf dem „sol“ der vorherigen Rezitation und artikuliert den 2.Ton
H artikuliert den 1.Ton „fa“.
Mc notiert das Responsorium von Anfang an mit „do“ auf der zweiten Linie. Bei „salutis“ ändert sich beim Zeilenwechsel die Schlüsselung um eine Terz („do“ auf der 3.Linie). Nach „nosmedipsos“ kadenziert die Melodie eine Quart tiefer, statt einer Terz, womit ein „fis“ verhindert ist. Einzige bisherige Erkärung für diese Notation: Der Akzentton „commen-de-mus“ ist damit eindeutig als „si“ notiert.

3. Periode

C accentus finalis.
„in ie-iu-niis“ Ka und Wc schreiben Bivirga, um den HalbtonPes zu vermeiden. Lc geht hier mit!?
„in ieiu-niis Bv + T2 verstehen den Schluss „ni-is“ als eine einzige Silbe.
mul-tis“ Unterschiedliches Melisma in H und MR. Wieder gehen
Wc + Bv mit MR
Ka + Tol, ebenso die weiteren mit H.

E accentus finalis.
„per arma“ Die praetonische Silbe „per“ ist „sol“, Ka, Fo + Lc vermeiden die Tonwiederholung.
Die Waffen der Gerechtigkeit (arma iustitiae) sind kein Bihänder, sondern eine feine Klinge. So verstehen es die frühen Quellen: EinklangsSalicus „si-si-do“ in MR + H, Tol, Mc. Bv1+2 verkürzen das zum bloßen Pes „si-do“. Die jungen Quellen aber: Fo2, Lc, Ka, Wm schwingen die Bivirga.
„ius--tiae“ TerzPes „la-do“, in Tol und den adiastematischen Handschriften mit Quilisma. Für Wc, Fo2, Wm, Bv1 sind das 2 Töne. Das Quilisma wird also nicht als Ton übertragen. Lc, Ka + Bv2 hingegen füllen den Terzsprung auf.
Mc tut hier etwas, das häufig in Ka vorkommt: Einerseits weiß man um die leere Terz, den Terzsprung, andererseits darf „kein Jota oder Strichlein verloren gehen“. So verdoppelt man das „do“: 3 Töne, aber ein Terzsprung nach oben.
„iustí-tiae In der CAD RP3E (Kadenzformel des Cento E) wird das Quilisma zwischen „fa + sol“ nur in Bv2 + Mc als Ton übertragen. Bv1 schreibt seine eigene Form von Quilisma. T2 keinen Ton, auch kein Quilisma! Die westfränkische Variante (MR) wird in keiner diastematischen Quelle übernommen.

F accentus finalis.
vir-tutis“ Sinntragende Silbe des Wortes: TerzPes „fa-la“. Bv überträgt das Quilisma nicht als Ton (cf. „ius-ti-tiae“)
„vir--tis“ grammatikalischer Akzent, ein Trcres mit Anfangsartikulation (4 Töne). frOc (MR + Wc + Bv) füllen den Quartfall „si-fa“ (Tritonus!) auf und enden mit doppelter Resupinbewegung zum „la“ (7 Töne). Bv2 bildet einen Kompromiss. In den jungen Quellen ist die Neume reduziert (nur bis „la“) und damit der Tritonus eliminiert. Der Strophicus in der Kadenzformel des Deuterus (CAD dt) wird in Bv2 grundsätzlich zu einem Ton reduziert.
vide et: 7415 F

🔴 Bemerkenswert ist hier die Revisionarbeit im Urcodex der Zisterziensertradition Wm. „iustitiae virtutis“ wurden offenbar die melodischen Höhepunkte vom „do“ gegenrevidiert und zum „si“ gesenkt. In Zw sind diese Töne allerdings alle wieder „do“.

rp_indiv/7257.txt · Zuletzt geändert: 2022/09/10 10:35 von xaverkainzbauer