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neumen:neuma

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neumen:neuma [2019/09/13 14:51]
xaverkainzbauer [NEUMA]
neumen:neuma [2020/01/03 16:51] (aktuell)
xaverkainzbauer [Clivis suprapunctis]
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 ====== NEUMA ====== ====== NEUMA ======
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 Eine Neume (griech.: Wink, das Zunicken) ist das Handzeichen,​ mit dem der Scholaleiter anzeigt, welche Art von Silbe zu singen ist. //Eine Neume// ist also //eine Silbe//, egal wie viele "​Töne"​ oder Stufen diese Silbe hat. Davon abgeleitet bezeichnet man das schriftliche Zeichen für eine Silbe als Neume, vor allem bei den adiastematischen Handschriften des 10. und 11. Jahrhunderts. Sobald die Neumen auf Linien gesetzt werden und ihre artikulatorische Aussage verlieren, ist die Bezeichnung der Noten als "​Neume"​ fragwürdig und eher museal. ​ Eine Neume (griech.: Wink, das Zunicken) ist das Handzeichen,​ mit dem der Scholaleiter anzeigt, welche Art von Silbe zu singen ist. //Eine Neume// ist also //eine Silbe//, egal wie viele "​Töne"​ oder Stufen diese Silbe hat. Davon abgeleitet bezeichnet man das schriftliche Zeichen für eine Silbe als Neume, vor allem bei den adiastematischen Handschriften des 10. und 11. Jahrhunderts. Sobald die Neumen auf Linien gesetzt werden und ihre artikulatorische Aussage verlieren, ist die Bezeichnung der Noten als "​Neume"​ fragwürdig und eher museal. ​
  
-Neumen werden üblicherweise nach ihrer Tonanzahl definiert, was nur dann sinnvoll ​sein kann, wenn die Töne gleich lang wären, wie es der Äqualismus des 20. Jahrhunderts (Solesmes) postuliert hat. Seit mit Hilfe der Neumen von St. Gallen und Laon der Äqualismus überwunden wird, und ein nicht taktierendes sondern //​sprechendes Singen// Platz greift, das den Unterschied zwischen //​kurrenten//​ und //nicht kurrenten// Neumen akzeptiert, sodass eine "​episemierte Virga" (Eintonneume) je nach Kontext sogar länger dauern kann als eine "​Tristropha"​ (Dreitonneume),​ ist die Tonanzahl als Maß der Neume obsolet. Die Tonanzahl einer Neume zum Maß zu nehmen ist so zielführend,​ wie das Gewicht der gesprochenen Silben nach ihrer Buchstabenanzahl zu werten. Wir gehen von den **<fc #​ff0000>​TONSTUFEN</​fc>​** aus (und selbst das kommt bald an seine Grenzen).+Neumen werden üblicherweise nach ihrer Tonanzahl definiert, was nur dann sinnvoll ​wäre, wenn die Töne gleich lang wären, wie es der Äqualismus des 20. Jahrhunderts (Solesmes) postuliert hat. Seit mit Hilfe der Neumen von St. Gallen und Laon der Äqualismus überwunden wird, und ein nicht taktierendes sondern //​sprechendes Singen// Platz greift, das den Unterschied zwischen //​kurrenten//​ und //nicht kurrenten// Neumen akzeptiert, sodass eine "​episemierte Virga" (Eintonneume) je nach Kontext sogar länger dauern kann als eine "​Tristropha"​ (Dreitonneume),​ ist die Tonanzahl als Maß der Neume obsolet. Die Tonanzahl einer Neume zum Maß zu nehmen ist so zielführend,​ wie das Gewicht der gesprochenen Silben nach ihrer Buchstabenanzahl zu werten. Wir gehen von den **<fc #​ff0000>​TONSTUFEN</​fc>​** aus (und selbst das kommt bald an seine Grenzen).
  
 **<fc #​ff0000>​EINE NEUME IST EINE SILBE</​fc>​**,​ alle "​musikalischen"​ Vorurteile sind wegzulassen. **<fc #​ff0000>​EINE NEUME IST EINE SILBE</​fc>​**,​ alle "​musikalischen"​ Vorurteile sind wegzulassen.
-Um Wittgensteins "a rose is a rose is a rose" abzuwandeln: ​"Eine Neume ist eine Silbe ist eine Neume ist eine Silbe ist eine Neume"​. Die Neume wird nicht durch das graphische Zeichen, seine "​Noten" ​ihre optische Gestalt, sondern allein durch die zu sprechende Silbe ihre Klanggestaltdefiniert.+"Eine Neume ist eine Silbeeine Silbe ist eine Neume"​. Die Neume wird nicht durch das graphische Zeichen, seine "​Noten" ​– ihre optische Gestalt ​, sondern allein durch die zu sprechende Silbe – ihre Klanggestalt ​– definiert.
  
 **<fc #​ff0000>​EINE NEUME BEGINNT NICHT MIT DER ERSTEN NOTE, SIE HÖRT MIT DER LETZTEN NOTE AUF</​fc>​**.\\ **<fc #​ff0000>​EINE NEUME BEGINNT NICHT MIT DER ERSTEN NOTE, SIE HÖRT MIT DER LETZTEN NOTE AUF</​fc>​**.\\
-Die Anregung zu diesem Axiom ging von L. Agustoni aus. Als er bei den Gregorianikkursen in Essen von seinem ​wohl missglückten Lehrbuch von 1963/1968 sprach, stellte er fest: "Aber ich habe darin nichts Falsches gesagt – außer ​dem einen Satz 'Eine Neume beginnt mit der ersten Note' – das ist falsch."​ Entgegen neuzeitlichem Denken haben wir frühmittelalterliche Strukturen (Melodien, Neumen) vom Ende her zu denken: "in finis iuducabitur".+Die Anregung zu diesem Axiom ging von L. Agustoni aus. Als er bei den Gregorianikkursen in Essen von seinem ​seiner Meinung nach missglückten Lehrbuch von 1963/1968 sprach, stellte er fest: "Aber ich habe darin nichts Falsches gesagt – außer ​den einen Satz 'Eine Neume beginnt mit der ersten Note' – das ist falsch."​ Entgegen neuzeitlichem Denken haben wir frühmittelalterliche Strukturen (Melodien, Neumen) vom Ende her zu denken: "in finis iudicabitur".
  
 Einleitung Hradetzky-Marsch Einleitung Hradetzky-Marsch
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 **<fc #​ff0000>​SINGEN SIE SCHMUTZIG, ERST WENN SIE SCHMUTZIG SINGEN, IST ES SCHÖN</​fc>​**.\\ **<fc #​ff0000>​SINGEN SIE SCHMUTZIG, ERST WENN SIE SCHMUTZIG SINGEN, IST ES SCHÖN</​fc>​**.\\
-L. Agustoni hat mit diesem Satz bei den Gregorianikkursen in Essen ein grundsätzliches Problem zwischen romanischer und germanischer Denkweise angesprochen. Die Reaktion der deutschen Studenten ließ nicht lange auf sich warten: eine Minute vor Ende der Vorlesung, ein //Entweder - Oder// aus Zeitnot erzwingend, kam die Frage: "Ist das nun ein Ton oder nicht?"​. Sprechende Melodien nach "​Tonanzahl"​ messen zu wollen (deutscher Klavierspieler-Zugriff),​ ist der falsche (neuzeiltich, ​technische) Ansatz. Stufen, egal mit welcher "​Schmutzigkeit"​ erreicht (italienischer Violinisten-Zugriff),​ sind der bessere Ansatz Sprachmelodien zu verstehen.+L. Agustoni hat mit diesem Satz bei den Gregorianikkursen in Essen ein grundsätzliches Problem zwischen romanischer und germanischer Denkweise angesprochen. Die Reaktion der deutschen Studenten ließ nicht lange auf sich warten: eine Minute vor Ende der Vorlesung, ein //entweder – oder// aus Zeitnot erzwingend, kam die Frage: "Ist das nun ein Ton oder nicht?"​. Sprechende Melodien nach "​Tonanzahl"​ messen zu wollen (deutscher Klavierspieler-Zugriff),​ ist der falsche (neuzeitlich ​technische) Ansatz. Stufen, egal mit welcher "​Schmutzigkeit"​ erreicht (italienischer Violinisten-Zugriff),​ sind der bessere Ansatz Sprachmelodien zu verstehen.
  
 Das hat weitreichende Konsequenzen für das Verständnis der Quellen und ihre Interpretation,​\\ Das hat weitreichende Konsequenzen für das Verständnis der Quellen und ihre Interpretation,​\\
-das stellt das etablierte System der gregorianischen Begriffe ​(die opinio communis) ​in Frage \\+das stellt das etablierte System der gregorianischen Begriffe in Frage \\
 und erfordert einen völligen Neuansatz, basierend auf den Erkenntnissen von Eugene Cardine, Rupert Fischer, Luigi Agustoni und Godehard Joppich. und erfordert einen völligen Neuansatz, basierend auf den Erkenntnissen von Eugene Cardine, Rupert Fischer, Luigi Agustoni und Godehard Joppich.
  
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
  
-• Grundsätzlich ist bei der kurrenten (jeder) Neume der //erste Ton schwach// <fc #​ff0000>​INITIO DEBILIS SEMPER</​fc>​. Dies entgegen dem romantischen Musikverständnis,​ wie es den Neumen Joseph Pothiers zugrundeliegt. Erst auf der Basis eines grundsätzlichen mehr oder weniger schwachen Anfangs //jeder// Neume,kann die spezielle Notation einer "​Anfangsartikulation"​ sinnvoll sein. Was beim Torculus specialis allgemein erkannt ist (wenn auch in der Praxis wenig rezipiert), ist auf alle mit Aufstieg beginnenden Neumen anzuwenden, speziell auf den kPes, aber auch auf den Torculus.+• Grundsätzlich ist bei der kurrenten (jeder) Neume der //erste Ton schwach:// <fc #​ff0000>​INITIO DEBILIS SEMPER</​fc>​. Dies entgegen dem romantischen Musikverständnis,​ wie es den Neumen Joseph Pothiers zugrundeliegt. Erst auf der Basis eines grundsätzlichen mehr oder weniger schwachen Anfangs //jeder// Neume, kann die spezielle Notation einer "​Anfangsartikulation"​ sinnvoll sein. Was beim Torculus specialis allgemein erkannt ist (wenn auch in der Praxis wenig rezipiert), ist auf alle mit Aufstieg beginnenden Neumen anzuwenden, speziell auf den kPes, aber auch auf den kTorculus.
  
-• **Quilisma** und **Oriscus** sind zwei Zeichen, die in der Adistematie ​eine helfende Funktion anstelle der fehlenden Linien haben. In  der Diastemie sind sie überflüssig. Die diastematichen ​Schreiber, im Dilemma kein Jota und Strichlein auslassen zu wollen/​dürfen,​ übertragen die unverstandenen Zeichen Oriscus und Quilisma dann doch als Ton, wenn manchmal auch an ungewöhnlicher Stelle <fc #​ff0000>​QUILISMA et ORISCUS NON SONENTI</fc>+• **Quilisma** und **Oriscus** sind zwei Zeichen, die in der Adiastemie ​eine helfende Funktion anstelle der fehlenden Linien haben. In  der Diastemie sind sie überflüssig. Die diastematischen ​Schreiber, im Dilemma kein Jota und Strichlein auslassen zu wollen/​dürfen,​ übertragen die unverstandenen Zeichen Oriscus und Quilisma dann doch als Ton, wenn manchmal auch an ungewöhnlicher Stelle<fc #​ff0000>​QUILISMA et ORISCUS NON SONANTES</​fc>​.
- +
-• Die "​Liqueszenz"​ hat //nie// einen (auch noch so kleinen) Nebenton. Die augmentative Liqueszenz breitet eine wichtige Silbe klanglich aus, die diminutive Liqueszenz kappt (zb. die weiterführende Clivis) und staut. Ihre Aufgabe ist es, gerade diesen zweiten weiterführenden Ton zu verhindern.+
  
 +• Die "​Liqueszenz"​ hat //nie// einen (auch noch so kleinen) Nebenton. Die augmentative Liqueszenz breitet eine wichtige Silbe klanglich aus, die diminutive Liqueszenz kappt (z.B. die weiterführende Clivis) und staut. Ihre Aufgabe ist es, gerade diesen zweiten weiterführenden Ton zu verhindern: <fc #​ff0000>​LIQUESCENS SINE SECUNDO TONO</​fc>​.
  
 Diese drei Grundsätze unterscheiden unsere Restitution/​Interpretation wesentlich von dem seit 150 Jahren gängigen Verständnis (opinio communis) davon, was Gregorianischer Choral sei.  Diese drei Grundsätze unterscheiden unsere Restitution/​Interpretation wesentlich von dem seit 150 Jahren gängigen Verständnis (opinio communis) davon, was Gregorianischer Choral sei. 
  
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+Daraus resultiert aber auch eine geänderte Verwendung der Quadratnotenschrift. Die von Joseph Pothier auf Basis der Schreibpraxis im Anjou des 15. Jahrhunderts festgelegte Schrift spiegelt das Musikverständnis des 19. Jahrhunderts wieder und wurde bis heute nicht (Ausnahme Liqueszenzgraphien LH 1983) an neue Forschungsergebnisse angepasst. Das GrN hat zwar Töne ausgebessert,​ aber das Notenbild (Neumengraphien und Gliederungen) unverändert gelassen. Das hält eine erhebliche, den Sänger behindernde Diskrepanz zwischen Neumen und Noten offen. Unser Quadratnotenbild versucht diese Diskrepanz zu verringern, die artikulatorischen Gegebenheiten der Neumen möglichst zu übertragen und die oben genannten Erkenntnisse anzuwenden. Dabei soll das Quadratnotenbild nicht überladen werden.\\ 
 +Auf Gliederungszeichen verzichten wir völlig und verwenden stattdessen Sinnzeilen.  
 + 
 +––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
 ====== EINSTUFIGE NEUMEN ====== ====== EINSTUFIGE NEUMEN ======
  
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 ===== Virga – Tractulus ===== ===== Virga – Tractulus =====
  
 +{{:​neumen:​e_virga_tractulus.png?​300 |}}
 In den St. Galler Handschriften werden grundsätzlich nur zwei Zeichen für den Einzelton verwendet: Virga (lat.: Zweig, Ast, Rute) und Tractulus (lat.: das kleine Gezogene). In den St. Galler Handschriften werden grundsätzlich nur zwei Zeichen für den Einzelton verwendet: Virga (lat.: Zweig, Ast, Rute) und Tractulus (lat.: das kleine Gezogene).
  
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 Entgegen der gängigen Meinung über die St. Galler Handschriften hat Hartker sehr wohl eine unvollkommene Diastemie und setzt die Virga tiefer und höher, den Melodieverlauf darzustellen. Die Gefahr von Über- und Fehlinterpretation ist allerdings hoch. Bei gleich hohen Tönen vor dem Abstieg wird die letzte hohe Virga höher gesetzt, wie es ein guter Dirigent tut, der ein zu frühes Absinken der Stimme verhindern will "​dó**mi**nus"​. ​ Bei "​captivitatem plebis"​ ist der gesamte Melodieverlauf aus den Neumen nachzuempfinden. Siehe auch [[ant:​0383]]:​ "...et salvus ero domine"​. ​ Entgegen der gängigen Meinung über die St. Galler Handschriften hat Hartker sehr wohl eine unvollkommene Diastemie und setzt die Virga tiefer und höher, den Melodieverlauf darzustellen. Die Gefahr von Über- und Fehlinterpretation ist allerdings hoch. Bei gleich hohen Tönen vor dem Abstieg wird die letzte hohe Virga höher gesetzt, wie es ein guter Dirigent tut, der ein zu frühes Absinken der Stimme verhindern will "​dó**mi**nus"​. ​ Bei "​captivitatem plebis"​ ist der gesamte Melodieverlauf aus den Neumen nachzuempfinden. Siehe auch [[ant:​0383]]:​ "...et salvus ero domine"​. ​
  
-Diese Analyse könnte wetergeführt werden...+vide [[ant:​0623]] "quia per apostolum"​
  
 ==== Vrg und Trt in Mont Renaud ==== ==== Vrg und Trt in Mont Renaud ====
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 Der Wechsel zwischen Virga und Tractulus geschieht nach den selben Regeln wie in St.Gallen. Mont Renaud zeichnet aber darüber hinaus den Tonhöhenverlauf durch längere und kürzere Virgen nach (unvollkommene Diastemie). Das gelingt zeitweise recht eindrücklich:​ "​veniet"​ - "​alleluia",​ manchmal nicht so sehr: "​sancti eius cum eo". Oder sollte die Verkürzung der Virga "​cum"​ gegenüber den vorhergehenden Silben "​eius"​ eine Rücknahme der Intensität anzeigen? Die Länge (?) oder Dicke des Tractulus zeigt sicher mehr oder weniger Gewicht der Silbe an: "​veniet **et** omnes"​. Der Wechsel zwischen Virga und Tractulus geschieht nach den selben Regeln wie in St.Gallen. Mont Renaud zeichnet aber darüber hinaus den Tonhöhenverlauf durch längere und kürzere Virgen nach (unvollkommene Diastemie). Das gelingt zeitweise recht eindrücklich:​ "​veniet"​ - "​alleluia",​ manchmal nicht so sehr: "​sancti eius cum eo". Oder sollte die Verkürzung der Virga "​cum"​ gegenüber den vorhergehenden Silben "​eius"​ eine Rücknahme der Intensität anzeigen? Die Länge (?) oder Dicke des Tractulus zeigt sicher mehr oder weniger Gewicht der Silbe an: "​veniet **et** omnes"​.
  
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––  ​+------------------------------------------------ ​
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-===== Uncinus – Punctum ​– Virga =====+===== Uncinus – Punctum =====
  
 +{{:​neumen:​l_uncinus_punctum.png?​300 |}}
 +{{ :​neumen:​0688_acuasta.png?​140|}}
 +Was in E/C/H die Virga ist, ist in L der Uncinus, ein geschwungener Tractulus mit "​Aufstrich"​. Den Uncinus höher und tiefer schreibend wird der Tonhöhenverlauf in etwa nachgezeichnet (unvollkommene Diastemie). \\
 +Leichte, praetonische Silben werden mit Punctum dargestellt. Diese Möglichkeit haben die St.Galler nicht (Ausnahme manchmal in C ), sie schreiben hier  [[neumen:​litterae#​c|celeriter]],​ oder setzen das Wissen um die Leichtigkeit der praetonischen Silben voraus. \\
 +Bv entspricht dem mit seiner [[quellen:​quellen_gr#​acuasta|Acuasta]]. exemplum: CO [[grad:​0688]] Narrabo "//​mira//​-bilia"​\\
 +Die Virga in L kommt nur(?) als Teil einer Mehrtonneume ​ vor als melodischer Höhepunkt (cf.: Pes, Scandicus) ​
  
- +------------------------------------------------
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––  ​+
 ===== Gravis ===== ===== Gravis =====
  
 +Der Gravis ist ein nach rechts fallender Tractulus. Er zeigt in den adiastematischen Handschriften einen besonders tiefen Ton an. E [[grad:​0626]] "super uno pec-//​ca//​-tore"​.\\
 +Im AN-Repertoire kommt er häufiger vor (über 80x) z.B. [[ant:​1326]] "//​hic//​ est enim", "//​in//​-ter natos",​ [[ant:​0075]] "//​Di//​-es domini"​.
  
 +Sehr markant der Gravis in [[ant:​0922]] "​Scitis"​ Quint tiefer : senkrecht und beidendig episemiert.
  
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––  ​+In Ch kommt auch ein rechts aufsteigender Tractulus vor [[grad:​0002]] "Ad //te// levavi"​. 
 +In Bv zeigt das nach rechts fallende Strichlein nur an, dass der Ton davor höher war [[grad:​0006]] Bv33 "eius //​po//​-tentes",​ "eius //ad// audiendam",​ Das kommt aus der Schreibpraxis,​ bei absteigenden Tönen die Feder nach rechts zu drehen. Inwieweit eine Informationsabsicht dahinter steht, ist schwer auszumachen.\\ 
 +Wieder anders stellt sich die Frage in A + Y. Hier sind die Pünktchen/​Strichlein wieder eher Ausdruck der Kurrenz, wobei die Aquitanier jeden tiefsten Ton mit Tractulus versehen. 
 + 
 +------------------------------------------------ ​
   ​   ​
 ===== Bivirga – Tristropha ===== ===== Bivirga – Tristropha =====
  
-Bivirga ​ist die //nicht kurrente// Formdie Tristropha die //kurrente// Form eines amplifizierten Tones.+{{:​neumen:​2vrg-3str.png?​300 |}} 
 +Die Wertigkeit einer Silbe, auch wenn sie nur einstufig ​ist, kann vielfältig dosiert sein. In G und L kann ein Ton  praetonisch ​kurrent ​leicht ​normal ​nicht kurrent / breit sein.  Es wäre aber falsch diese Unterscheidungen definierend der kategorial zu verstehen. Sie sind keine absoluten Wertungen, sondern haben nur im Kontext das rechte Gewicht. Auch hier müssen wir uns vom modernen **definieren** verabschieden und mittelalterlich **assoziieren**. So sind E und L scheinbar nicht immer auf der selben ​ Linie. Ch + MR kümmert hier der Silbenwert nicht (mehr); Virga und Tractulus sind melodisch relevant.\\ 
  
-Ist ein Strophicus (meist ​Tristropha) endartkuiertso notieren wir das durch eine Rhomba an Stelle des letzten Strophicus.+Die Bivirga und Tristropha ​zeigen reperkutierend den Mehrwert einer Silbe auf. Dabei kann man die  Bivirga als die //nicht kurrente// Formdie Tristropha als die //​kurrente//​ Form der Amplifizierung ansehen
  
 +==== Bivirga urgens MR ====
  
 +Bemerkenswert ist die Tatsache, dass MR meist, Ch oft, L ebefalls nicht selten [[grad:​0894]] "​pleni-//​tú//​-do"​ die Bivirga als
 +//Bivirga urgens// notieren. Die traditionelle Chorallehre würde diese Neume als "Pes mit Amplifizierung auf dem oberen Ton" bezeichnen. Diese Bezeichnung berücksichtigt jedoch nicht die Leichtigkeit des ersten Pes-Tones, der in E immer und in L meistens entfallen kann. Sie denkt vom Anfang an und bedenkt nicht, dass "eine Neume nicht mit dem ersten Ton beginnt",​ sondern mit dem letzten aufhört. Mit dieser Neume ist die Grenze zwischen einstufig und zweistufig aufgeweicht.\\
 +Wc hat für die Bivirga urgens eine eigene, durchaus auffällige Graphie, z.B.:​[[ant:​7698]] "​interce-//​de//"​
  
-==== Bivirga urgens MR ====+Der Strophicus ist in L + Ch grundsätzlich endartikuliert,​ die Puncta werden mit Tractulus abgeschlossen. E gibt dem letzten der 3 Strophici nicht grundsätzlich,​ aber in artikulatorisch berechtigten Fällen ein Episem. Wir notieren das durch eine Rhomba an Stelle des letzten Strophicus.
  
-oben amplifizierter Pes Bivirga emphatica +------------------------------------------------ ​
-[[grad:​0894]] "​pleni**tú**do"​ +
- MR schreibt die Bivirga grundsätzlich //urgens//. L geht dabei nicht selten mit [[grad:​0989]] "Et **é**runt"​+
  
-Damit ist die Grenze zwischen einstufiger und zweistufiger Neume aufgeweicht. +===== Die QUADRAT-Noten =====
-Wc hat für die Bivirga urgens eine eigene, durchaus auffällige Graphie, z.B.:​[[ant:​7698]] ​+
  
 +Die Virga von St.Gallen und der Uncinus von Laon werden, wie üblich als **Quadrata** übertragen.\\
 +Die leichten praetonischen Silben von L (und C) werden als **Rhomba** notiert. ​
 +Die episemierte Virga, vor allem im AN-Repertoire,​ steht meist auf der Endsilbe eines Satzteiles und gliedert so (an Stelle einer divisio), fast ebenso häufig betont sie, breitet sie Akzentsilben aus. Die episemierte Virga schreiben wir als **Quadrata mit Hals** (Virga).
 +{{ :​neumen:​1698_vrg_epis_xerg.png?​400|}}
  
 –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
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 ====== PES ====== ====== PES ======
  
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-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––===== eintoniger PES ===== 
- 
- 
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 
 ===== kPES ===== ===== kPES =====
  
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 ==== Der kPes auf der Binnensilbe des PPO ==== ==== Der kPes auf der Binnensilbe des PPO ====
  
-Vor allem am Ende von Sätzen, aber auch in Binnenposition werden die Binnensilben des PPOs (z.b.: dó-**mi**-nus) mit einem kPes versehen. Wenn der erste Ton des "​kPes"​ so gesungen wird, wie es heute üblich ist: der erste Ton trägt das Gewicht der Silbe/​Neume,​ so ruft und rief es die berechtigte Kritik der Zisterzienser und des Tridentinum hervor: "do-****-nus" ist des zum Klang gekommenen Wort Gottes unwürdig. Nicht das Wort Gottes ist im Gregorianischen Choral schlecht vertont, sondern unser musikalisches Vorverständnis entspricht nicht dem 1.Jahrtausend. ​+Vor allem am Ende von Sätzen, aber auch in Binnenposition werden die Binnensilben des PPOs (z.b.: dó-**mi**-nus) mit einem kPes versehen. Wenn der erste Ton des "​kPes"​ so gesungen wird, wie es heute üblich ist: der erste Ton trägt das Gewicht der Silbe/​Neume,​ so ruft und rief es die berechtigte Kritik der Zisterzienser und des Tridentinum hervor: "do-////-nus" ist des zum Klang gekommenen Wort Gottes unwürdig. Nicht das Wort Gottes ist im Gregorianischen Choral schlecht vertont, sondern unser musikalisches Vorverständnis entspricht nicht dem 1.Jahrtausend. ​
  
 "​**Eine Neume/Silbe beginnt nicht mit der ersten Note, sie hört mit der letzten auf**" "​**Eine Neume/Silbe beginnt nicht mit der ersten Note, sie hört mit der letzten auf**"
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 Quer durch die Handschriften werden Proparoxytona (PPO) in rezitierenden Kontexten, das sind vor allem die Schlüsse, auf der Binnensilbe systemlos, ganz beliebig mit Einton **oder** mit kPes versehen. Quer durch die Handschriften werden Proparoxytona (PPO) in rezitierenden Kontexten, das sind vor allem die Schlüsse, auf der Binnensilbe systemlos, ganz beliebig mit Einton **oder** mit kPes versehen.
  
-Die Antiphon 0733 wird in einer der ältesten Handschriften,​ in MR, zweimal notiert: Die Binnensilbe des letzten Wortes "​vocá-**bi**-tur" wird einmal mit kPes, einmal mit Virga notiert. Die Austauschbarkeit/​Beliebigkeit der beiden Zeichen im gegebenen Kontext ist offensichtlich. Unser moderner, schriftfixierter Ansatz .....+Die Antiphon 0733 wird in einer der ältesten Handschriften,​ in MR, zweimal notiert: Die Binnensilbe des letzten Wortes "​vocá-//bi//-tur" wird einmal mit kPes, einmal mit Virga notiert. Die Austauschbarkeit/​Beliebigkeit der beiden Zeichen im gegebenen Kontext ist offensichtlich. Unser moderner, schriftfixierter Ansatz .....
  
  
Zeile 189: Zeile 206:
 Bivirga urgens Bivirga urgens
 cf.: [[grad:​0945]] L + MR. cf.: [[grad:​0945]] L + MR.
 +cf.: [[ant:​7022]] .
  
 +=== andere ​ ===
 +[[ant:​7082]] "fecit mi-//​hi//"​
 ===== nkPES ===== ===== nkPES =====
  
Zeile 199: Zeile 219:
  
 Der Oriscuspes (Pes quassus) ist ein nkPes, ​ Der Oriscuspes (Pes quassus) ist ein nkPes, ​
 +
 +
 +
 +===== eintoniger PES =====
 +
 +Es geht nicht um das Schriftzeichen,​ sondern um das Klangereignis einer Silbe.
  
  
 ==== ein- bis dreitoniger Pes ==== ==== ein- bis dreitoniger Pes ====
  
 +{{ :​neumen:​pes_comm11.jpg?​200|}}
 Die Tonanzahl ist kein adäquates Maß die Neumen/​Silben zu erklären, die Anzahl der Stufen schon: Der Pes ist eine zweistufige Neume/Silbe nach oben, ein- bis dreitönig. Die Tonanzahl ist kein adäquates Maß die Neumen/​Silben zu erklären, die Anzahl der Stufen schon: Der Pes ist eine zweistufige Neume/Silbe nach oben, ein- bis dreitönig.
- 
-{{:​neumen:​pes_comm11.jpg?​200 |}} 
  
  
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
  
  
 ====== CLIVIS ====== ====== CLIVIS ======
  
-Die Clivis (**<fc #​4682b4>​Clv</​fc>​**) griech.: clinein: anlehnen, lehnen, sich neigen+{{ :​neumen:​2clv.png?​200|}} 
 +Die Clivis (**<fc #​4682b4>​Clv</​fc>​**) griech.: clinein: anlehnen, lehnen, sich neigen. Die Clivis ist in ihrer Normalform (Aufstrich und Abstrich) eine ruhige, beruhigende Neume und daher von mittlerem Wert. Die nicht kurrente Form ist oben mit Episem versehen, die kurrente Form mit celeriter.\\ 
 +Wir notieren kClv mit Rhomba und Quadrata, die mClv mit zwei Quadratae, die nkClv mit zwei Quadratae und Hals.
  
-Clivis ​terminatio debilis cfIN 2.tonos der Psalmodie in den Bv Handschriften die zweite Silbe.+Die Clivis ​breitet aus und verbindetcf.: [[grad:​0002]] "​confi-//​do//​ non //​e//​-rubescam"​ etc.
  
  
-Clis initio debilis in L und Ch, aber vide 0520 "ex-**au**-di".Hier kann die Graphie (ähnlich/​gleich?​) nur eine Clivis ​liqueszens sein+ 
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+Clivis terminatio debilis cf. IN 2.tonos der Psalmodie in den Bv Handschriften die zweite Silbe.\\ 
 +Clv initio debilis in L und Ch,  
 + 
 + 
 +**Dreitonige Clivis** 
 +ad ex.:  [[ant:​7015]] "//​luc//​-tum" 
 + 
 + 
 +==== Clv connect ==== 
 + 
 +In ihrer weiterfürend- verbindenden Funktion steht die Clivis ​am Ende eines Centos
 + 
 + 
 +–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
 ====== DREISTUFIGE NEUMEN ====== ====== DREISTUFIGE NEUMEN ======
  
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 Er wird nicht selten auch als „**Pes flexus**“ bezeichnet, um die Leichtigkeit des Einstieges gegenüber dem ruhigen Ausklang auszudrücken. Die Eigenschaften des kPes bedenkend, wäre „**Clivis urgens**“ vielleicht der bessere Name. Denn auch beim Torculus, wie beim kPes, ja sogar noch häufiger, entfällt in bestimmten Konstellationen in der einen oder anderen Handschrift der erste Ton und es bleibt eine Clivis (Clivis urgens) über. ​ Er wird nicht selten auch als „**Pes flexus**“ bezeichnet, um die Leichtigkeit des Einstieges gegenüber dem ruhigen Ausklang auszudrücken. Die Eigenschaften des kPes bedenkend, wäre „**Clivis urgens**“ vielleicht der bessere Name. Denn auch beim Torculus, wie beim kPes, ja sogar noch häufiger, entfällt in bestimmten Konstellationen in der einen oder anderen Handschrift der erste Ton und es bleibt eine Clivis (Clivis urgens) über. ​
  
-//Es ist bezeichnend für das a priori unseres Denkens, dass der Torculus zwar öfters schon als "pes flexus"​ bezeichnet wurde, vom Beginn her gedacht, aber bisher nie als "​clivis urgens",​ vom Ende her bezeichnet wurde. Es wird noch eine gewaltige Wende in unserem gregorianischen Denken nötig sein, bevor wir dem Ansatz L.Agustonis wirklich gerecht werden "Eine Neume beginnt nicht mit der ersten Note, sie hört mit der letzten auf"​.//​+//Es ist bezeichnend für das a priori unseres Denkens, dass der Torculus zwar öfters schon als "pes flexus"​ bezeichnet wurde, vom Beginn her gedacht, aber bisher nie als "​clivis urgens",​ vom Ende her bezeichnet wurde. Es wird noch eine gewaltige Wende in unserem gregorianischen Denken nötig sein, bevor wir dem Ansatz L. Agustonis wirklich gerecht werden "Eine Neume beginnt nicht mit der ersten Note, sie hört mit der letzten auf"​.//​
  
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 • Intonationstorculus,​ einen Satz eröffnend (sententiam intonans) "Trc int". • Intonationstorculus,​ einen Satz eröffnend (sententiam intonans) "Trc int".
  
-=== den Akzent vorbereitend ​===+=== Trc par ===
  
-(accentum parans) ​**<fc #4682b4>Trc par</​fc>​** +**<fc #008080>Akzent vorbereitend = accentum parans = Trc par</​fc>​**\\ 
-liegt der Torculus auf der Silbe vor dem Akzent und erzeugt jenen Stau, der den folgenden Akzent provoziert. Er ist immer ein Sekund-Sekund-Torculus und liegt zwischen zwei Tönen im Abstand der großen Terz (fa-la oder sol-si). **Einsiedeln** setzt grundsätzlich das Wissen um den Trc i.d voraus, nur selten ist eine Verlängerung des zweiten Neumenelements zu erkennen. Im Fall des Introitus (IN) "​Misereris"​ 0107 weist das "​altius"​ auf die akzentvorbereitende Position hin. Das "​mediocriter"​ soll allzuviel Emphase verhindern. **Chartres** reduziert die Neume zur Clivis (Clivis urgens). **Laon**, **Benevent** und auch **Mont Renaud** haben ein eigenes Zeichen für "​initio debilis":​ die Einrundung des ersten Element schwächt diesen Ton. +Der Torculus ​liegt auf der Silbe vor dem Akzent und erzeugt jenen Stau, der den folgenden Akzent provoziert. Er ist immer ein Sekund-Sekund-Torculus und liegt zwischen zwei Tönen im Abstand der großen Terz (fa-la oder sol-si). **Einsiedeln** setzt grundsätzlich das Wissen um den Trc i.d voraus, nur selten ist eine Verlängerung des zweiten Neumenelements zu erkennen. Im Fall des Introitus (IN) "​Misereris"​ 0107 weist das "​altius"​ auf die akzentvorbereitende Position hin. Das "​mediocriter"​ soll allzuviel Emphase verhindern. **Chartres** reduziert die Neume zur Clivis (Clivis urgens). **Laon**, **Benevent** und auch **Mont Renaud** haben ein eigenes Zeichen für "​initio debilis":​ die Einrundung des ersten Element schwächt diesen Ton. 
  
 Der "​Spezialtorculus"​ ist also eine Zwei-bis-drei-Ton-Neume. Offensichtlich ist die Anzahl der Töne nicht geeignet, eine Neume zu definieren. Denn ob eine Clivis geschrieben wird, oder ein Torculus spezialis oder ein gewöhnlicher Torculus ist die Eigenart einer jeden Handschrift. Ob beim Erklingen der erste Ton einen fixen Tonort hat, so könnte man das altius in E deuten, oder zum Portamento mit unbestimmter Tonhöhe wird, oder ganz entfällt, ergibt sich aus der Persönlichkeit und Stimmungslage des jeweiligen Sängers. ​ Der "​Spezialtorculus"​ ist also eine Zwei-bis-drei-Ton-Neume. Offensichtlich ist die Anzahl der Töne nicht geeignet, eine Neume zu definieren. Denn ob eine Clivis geschrieben wird, oder ein Torculus spezialis oder ein gewöhnlicher Torculus ist die Eigenart einer jeden Handschrift. Ob beim Erklingen der erste Ton einen fixen Tonort hat, so könnte man das altius in E deuten, oder zum Portamento mit unbestimmter Tonhöhe wird, oder ganz entfällt, ergibt sich aus der Persönlichkeit und Stimmungslage des jeweiligen Sängers. ​
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-=== ein Wort artikulierend ​===+=== Trc fin ===
  
-(verbum finiens) ​**<fc #4682b4>Trc fin</​fc>​**+**<fc #008080>Wort artikulierend = verbum finiens = Trc fin</​fc>​**\\
 Wortartikulation bedeutet das sorgfältige Absprechen eines Wortes, es im Nachhinein zu seinem Wert kommen zu lassen. Wortartikulation bedeutet das sorgfältige Absprechen eines Wortes, es im Nachhinein zu seinem Wert kommen zu lassen.
 +
 {{:​neumen:​gph_trc_watk.jpg?​450 |}} {{:​neumen:​gph_trc_watk.jpg?​450 |}}
  
-"Nó**tas)** mihi fecisti":​ "Bek**annt)** hast du mir gemacht"​. Einsiedeln schreibt den Trc specialis mit tenete auf dem zweiten Ton (Torculus mit vorbereiteter Endartikulation **-23**). Auf "​fe**cís**ti"​ folgt ein kTrc: Akzenttorculus **--3**. Im IN "​Accipite"​ folgen drei unterschiedliche Torculi unmittelbar aufeinander. Der Wortende-Torculus (Wortartikulations-Torculus) beschließt mit viel Elan die Stelle. Der Akzenttorculus davor wird wiederum mit dem akzentvorbereitenden Torculus " Iocun-**di**-tátem"​ vorbereitet.+"Nó//tas)// mihi fecisti":​ "Be//kannt)// hast du mir gemacht"​. Einsiedeln schreibt den Trc specialis mit tenete auf dem zweiten Ton (Torculus mit vorbereiteter Endartikulation **-23**). Auf "​fe**cís**ti"​ folgt ein kTrc: Akzenttorculus **--3**. Im IN "​Accipite"​ folgen drei unterschiedliche Torculi unmittelbar aufeinander. Der Wortende-Torculus (Wortartikulations-Torculus) beschließt mit viel Elan die Stelle. Der Akzenttorculus davor wird wiederum mit dem akzentvorbereitenden Torculus " Iocun-**di**-tátem"​ vorbereitet.
  
 {{:​neumen:​gph_trc_pater_si_non.jpg?​300 |}} {{:​neumen:​gph_trc_pater_si_non.jpg?​300 |}}
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 vide et: [[ant:​0070]] "​petitiones vestrae",​ [[ant:​7363]] "per totum mundum"​. vide et: [[ant:​0070]] "​petitiones vestrae",​ [[ant:​7363]] "per totum mundum"​.
-==== Intonationstorculus / einen Satz eröffnend ​====+==== Trc int ====
    
 {{  :​neumen:​0162_trc.i.d.png?​400| }} {{  :​neumen:​0162_trc.i.d.png?​400| }}
  
-(sententiam intonans) ​**<fc #4682b4>Trc int</​fc>​**+**<fc #008080>Satz eröffnend/​intonierend = sententiam intonans = Trc int</​fc>​**\\
 Der Intonationstorculus eröffnet einen Satz schwungvoll. Leichter Quartaufschwung,​ semitonaler Rückschwung. Vor allem in Tetrarduskontexten,​ aber auch im Protus erscheint der Intonationstorculus. Er bildet im 7. Modus die typische Intonation. Der Intonationstorculus eröffnet einen Satz schwungvoll. Leichter Quartaufschwung,​ semitonaler Rückschwung. Vor allem in Tetrarduskontexten,​ aber auch im Protus erscheint der Intonationstorculus. Er bildet im 7. Modus die typische Intonation.
  
-==== zur Rezeption der Clivis urgens ​====+=== zur Rezeption der Clivis urgens ===
  
-Auf die Frage, wie denn nun ein Torculus specialis / eine Clivis urgens (Namen sind Festlegung eines a priori/​eines Vorurteils) gibt es drei Antworten+Auf die Frage, wie denn nun ein Torculus specialis / eine Clivis urgens (Namen sind Festlegung eines a priori/​eines Vorurteils) ​zu singen sei, gibt es drei Antworten
  
 a) Der erste Ton fällt aus, oder nicht (JBG). Das passt nicht in die so einheitliche Tradition der gregorianischen Melodien. a) Der erste Ton fällt aus, oder nicht (JBG). Das passt nicht in die so einheitliche Tradition der gregorianischen Melodien.
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 Welches Phänomen liegt vor sprachlich / akustisch / musikalisch,​ wenn die einen Handschriften einen Ton schreiben, ​ Welches Phänomen liegt vor sprachlich / akustisch / musikalisch,​ wenn die einen Handschriften einen Ton schreiben, ​
-die anderen aber nicht, die dritten sogar ein Spezialzeichen erfinden? Könnte es nicht jener „portamentoartige Gleitton“ sein, den Agustoni/​Göschl dem Quilisma zu Unrecht zuschreibt? Könnte nicht der Torculus specialis (der Pes flexus) eigentlich eine Clivis sein, die von unten her „portamentoartig“ angeschliffen,​ österreichisch formuliert „angeraunzt“ wird (Clivis urgens)? Steht uns nicht unser Vorurteil, die Neumen vom Anfang her zu benennen ​ +die anderen aber nicht, die dritten sogar ein Spezialzeichen erfinden? Könnte es nicht jener „portamentoartige Gleitton“ sein, den Agustoni/​Göschl dem Quilisma zu Unrecht zuschreibt? Könnte nicht der Torculus specialis (der Pes flexus) eigentlich eine Clivis sein, die von unten her „portamentoartig“ angeschliffen,​ österreichisch formuliert „angeraunzt“ wird (Clivis urgens)? Steht uns nicht unser Vorurteil, die Neumen vom Anfang her zu benennen im Weg? Warum heißt der Torculus auch Pes flexus, aber nicht besser „Clivis portamentata“ oder „Clivis inaugurata“ ​      
-im Weg? Warum heißt der Torculus auch Pes flexus, aber nicht besser „Clivis portamentata“ oder „Clivis inaugurata“ ​      +oder „Clivis emphatica“ (Wir haben uns letztendlich auf "​Clivis urgens"​ festgelegt) ?! Ist dieses Phänomen nicht auch bei der [[neumen:​neuma#​bivirga_tristropha|Bivirga]] zu sehen? Ja, ist es nicht für den kPes hundertfach konstitutiv. Nennen wir dieses Phänomen "​**portamento**"​.
-oder „Clivis emphatica“ (Wir haben uns letztendlich auf "​Clivis urgens"​ festgelegt) ?! Ist dieses Phänomen nicht auch bei der [[neumen:​neuma#​bivirga_tristropha|Bivirga]] zu sehen? Ja, ist es nicht für den kPes hundertfach ​(auch tausendfach wäre wahrscheinlich nicht übertrieben) ​konstitutiv. Nennen wir dieses Phänomen "​**portamento**"​.+
  
 Der Intonationstorculus der Psalmodie im 7.Ton (Tetrardus authenticus) kann also eine //​Dreitonneume//​ sein, sich zur //​Zweitonneume//​ reduzieren, oder (initium debilis //und// Liqueszenz bedenkend) zum //​eintonigen//​ Cephalicus reduzieren. In E ist grundsätzlich der erste Ton (sol) entfallen; je nach Text stehen Clivis oder Cephalicus, die Zisterzienserreform (Zt) geht dabei mit. Bv, A+Y, Mod, Ang schreiben immer den vollen Intonationstorculus aus. Kl schreibt nur einen Ton, vermeidet die Tonwiederholung und eröffnet die Psalmodie mit "​si"​ und "​do-re"​. Leider haben die deutschen Benediktiner in ihrem dt.Antiphonale diese Form gewählt und nicht das richtigere "​do"​ - "​do-re"​.\\ Der Intonationstorculus der Psalmodie im 7.Ton (Tetrardus authenticus) kann also eine //​Dreitonneume//​ sein, sich zur //​Zweitonneume//​ reduzieren, oder (initium debilis //und// Liqueszenz bedenkend) zum //​eintonigen//​ Cephalicus reduzieren. In E ist grundsätzlich der erste Ton (sol) entfallen; je nach Text stehen Clivis oder Cephalicus, die Zisterzienserreform (Zt) geht dabei mit. Bv, A+Y, Mod, Ang schreiben immer den vollen Intonationstorculus aus. Kl schreibt nur einen Ton, vermeidet die Tonwiederholung und eröffnet die Psalmodie mit "​si"​ und "​do-re"​. Leider haben die deutschen Benediktiner in ihrem dt.Antiphonale diese Form gewählt und nicht das richtigere "​do"​ - "​do-re"​.\\
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-=== Akzenttorculus k ===+===  Trc acc ===
  
-Steht der Torculus am Wortakzent (verbum accens ​**<fc #4682b4>​Trc ​akz</​fc>​**so ist er immer ein kurrenter Torculus (kTrc).\\+**<fc #008080>Akzenttorculus = verbum accens = Trc acc</​fc>​**\\ 
 +Steht der Torculus am Wortakzent ​so ist er grundsätzlich ​ein kurrenter Torculus (kTrc).\\
  
-In [[grad:​0001]] "​iucun-**di-ta-tem**" folgen ​ Trc par - akz - fin unmittelbar aufeinander. Der Trc akz ist ein kTrc.+In [[grad:​0001]] "​iucun-//di-ta-tem//" folgen ​ Trc par - akz - fin unmittelbar aufeinander. Der Trc akz ist ein kTrc.
  
 aber: aber:
 [[ant:​0045]],​[[ant:​1152]],​[[ant:​0110]] [[ant:​0045]],​[[ant:​1152]],​[[ant:​0110]]
-==== Torculus am Satzende nk ====+==== Trc ter ====
  
-Schließt ein Torculus einen ganzen Satz, ein ganzes Stück ab, so ist er immer ein nicht-kurrenter Torculus (nkTrc) und steht ohne Rücksicht auf Akzente auf der //​vorletzten//​ Silbe (Torculus sententiam terminans **<fc #​4682b4>​Trc ter</​fc>​)**.+**<fc #​008080>​Torculus am Satzende = Torculus sententiam terminans = Trc ter</​fc>​**\\ 
 +Schließt ein Torculus einen ganzen Satz, ein ganzes Stück ab, so ist er immer ein nicht-kurrenter Torculus (nkTrc) und steht ohne Rücksicht auf Akzente auf der //​vorletzten//​ Silbe 
  
  
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-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
 ====== PORRECTUS ======  ​ ====== PORRECTUS ======  ​
  
 Der Porrectus (porrigere - lat.: wieder aufrichten) (**<fc #​4682b4>​Prr</​fc>​**) ist eine Dreistufenneume hoch-tief-hoch.\\ ​ Der Porrectus (porrigere - lat.: wieder aufrichten) (**<fc #​4682b4>​Prr</​fc>​**) ist eine Dreistufenneume hoch-tief-hoch.\\ ​
 Anders als der Torculus verbreitert der Porrectus eine Silbe kaum, er streckt sich auf die nächste hin aus, er treibt weiter (WS).Man könnte ihn ein in Melodie umgesetztes [[neumen:​litterae#​c_-_st_-_x|statim]] nennen: obwohl er abrundet, treibt er noch mehr weiter. Obwohl der Porrectus grundsätzlich eine kurrente Neume ist, verlangt der Kontext in wenigen Fällen (ca.10%) einen ruhigen, nicht-kurrenten Vortrag der Neume. Anders als der Torculus verbreitert der Porrectus eine Silbe kaum, er streckt sich auf die nächste hin aus, er treibt weiter (WS).Man könnte ihn ein in Melodie umgesetztes [[neumen:​litterae#​c_-_st_-_x|statim]] nennen: obwohl er abrundet, treibt er noch mehr weiter. Obwohl der Porrectus grundsätzlich eine kurrente Neume ist, verlangt der Kontext in wenigen Fällen (ca.10%) einen ruhigen, nicht-kurrenten Vortrag der Neume.
- 
  
  
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 +=== POR urg ===
  
  
  
  
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 
-====== CLIMACUS ====== 
  
-Der Climacus (**<fc #​4682b4>​Clm</​fc>​**) ist eine Dreistufenneume hoch - tief - tiefer. Er ist eine erweiterte Clivis und beruhigt, rundet ab, verbreitert. 
  
  
-Exsultet Präfation! 
  
 +––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
 +====== CLIMACUS ======
  
 +Der Climacus (**<fc #​4682b4>​Clm</​fc>​**) ist eine Dreistufenneume hoch - tief - tiefer. Er ist eine erweiterte Clivis und beruhigt, rundet ab, vor allem verbreitert er, ohne zu betonen. Er lässt Zeit zum Nachdenken.
  
 +(Exsultet Präfation: am Ende jeder Prex !)
  
- +–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
- +
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+
 ====== VIERSTUFIGE NEUMEN ====== ====== VIERSTUFIGE NEUMEN ======
  
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 Der Torculus resupinus (**<fc #​4682b4>​Trc res</​fc>​**) Der Torculus resupinus (**<fc #​4682b4>​Trc res</​fc>​**)
  
 +**<fc #​ff0000>​T-Kadenz</​fc>​**
  
 +––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
 +===== Por flx ===== 
  
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– +(**<fc #4682b4>Porrectus flexus</​fc>​**)
-===== Porrectus flexus =====  +
- +
-(**<fc #4682b4>Prr flx</​fc>​**)+
 vide 0025 vide 0025
  
-Der Porrectus flexus, die „Doppelclivis“ , sorgt klar für Enttonung. ​                             ​+Der Porrectus flexus, die „Doppelclivis“ , sorgt für Enttonung. ​                             ​
  
 GJ 8.3.98 GJ 8.3.98
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-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– +––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 
-===== Pes subpunctis ​=====    ​ +===== Pes sbp =====    ​
- +
-Der Pes subpunctis (**<fc #​4682b4>​Pes sub</​fc>​**) ist ein Torculus (Pes flexus), der in der selben Richtung weiterführt. Elucotorisch bezeichnet diese Neume ein nachdenkenswertes Wort. GJ umschrieb die Bedeutung dieser Neume mit "ihr werdet euch noch wundern"​ und "​darüber könnte man eine ganze Predigt halten"​. Weiterer Fall [[ant:​0335]]. ​+
  
 +Der **<fc #​4682b4>​Pes subpunctis</​fc>​** ist ein Torculus (Pes flexus), der in der selben Richtung weiterführt. Elucotorisch bezeichnet diese Neume ein nachdenkenswertes Wort. GJ umschrieb die Bedeutung dieser Neume mit "ihr werdet euch noch wundern"​ und "​darüber könnte man eine ganze Predigt halten"​ cf.: [[ant:​0335]],​[[ant:​0723]]. ​
  
 {{ :​neumen:​4pes_sub.png?​600 |}} {{ :​neumen:​4pes_sub.png?​600 |}}
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 Die Artikulation der Neumen, die in L und E (C) eindeutig zu lesen ist, wird bereits in Ch weniger präzise. In Bv33 ist nur noch die Anfangsartikulation eine eigene Graphie und auch die ist nicht konsequent verwendet. Die Artikulation der Neumen, die in L und E (C) eindeutig zu lesen ist, wird bereits in Ch weniger präzise. In Bv33 ist nur noch die Anfangsartikulation eine eigene Graphie und auch die ist nicht konsequent verwendet.
  
 +–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
 +===== Clv spp =====
  
  
-–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– +Die **<fc #4682b4>Clivis suprapunctis</​fc>​** ist eigentlich ein akzentuierter Porrectus, ein Porrectus (beschleunigend),​ der um eine Pesbewegung erweitert, am Ende betont wird.
-===== Clivis suprapunctis ​=====+
  
  
-Die Clivis suprapunctis (**<fc #​4682b4>​Clv spp</​fc>​**) ist eigentlich ein akzentuierter Porrectus, ein Porrectus (beschleunigend),​ der um eine Pesbewegung erweitert, am Ende betont wird. 
  
  
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- +––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
- +
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+
 ===== Scandicus flexus =====    ===== Scandicus flexus =====   
  
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 -------------------------------------------------------------------------------------------------- --------------------------------------------------------------------------------------------------
  
-===== applicatio ​= circulatio =====  ​+===== circulatio =====  ​
  
 <fc #​008080>​applicatio = Zuneigung</​fc>​ <fc #​008080>​applicatio = Zuneigung</​fc>​
 +
 +
 +
 +==== circ nk  ====
 +
 +in MR, selten aber auch in H
 +  ​
 -------------------------------------------------------------------------------------------------- --------------------------------------------------------------------------------------------------
  
-==== applicatio ​PR ==== +==== circulatio ​PR ==== 
  
 Clivis suprapunctis flexus ​ (**<fc #​4682b4>​Clv spp flx</​fc>​**) Clivis suprapunctis flexus ​ (**<fc #​4682b4>​Clv spp flx</​fc>​**)
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 In MR ist diese Neume nicht selten mit Clv und Trc i.d. notiert [[grad:​0045]] "in con-**spec**-tu tuo". Das spricht ebenfalls für die Kurrenz. In MR ist diese Neume nicht selten mit Clv und Trc i.d. notiert [[grad:​0045]] "in con-**spec**-tu tuo". Das spricht ebenfalls für die Kurrenz.
 -------------------------------------------------------------------------------------------------- --------------------------------------------------------------------------------------------------
-==== applicatio ​TT ====+==== circulatio ​TT ====
  
-Die **NMA appl** (Neume der Zuneigung), die auch im **PROTUS** vorkommt, ist konstitutiver Bestandteil des **[[cento_an:​tt8_nov#​nov_princ | 8NOV princ]]**.+Die circulatio, die als **NMA appl** (Neume der Zuneigung) im **PROTUS** vorkommt ​und dort eben diese Funktion hat, ist im **TETRARDUS** als **NMA circ** ​konstitutiver Bestandteil des **[[cento_an:​tt8_nov#​nov_princ | 8NOV princ]]**.
  
---------------------------------------------------------------------------------------------------+--------------------------------------
 ===== Pes subpunctis resupinus===== ​ ===== Pes subpunctis resupinus===== ​
  
 (Pes sbp res) (Pes sbp res)
 +
 +**<fc #​ff0000>​P-Kadenz</​fc>​** obwohl nur ein Ton anders (weniger) ist als in der S-Kadenz, hat sie eine völlig andere Bedeutung als diese. P-Kadenz ist abschließend,​ die S-Kadenz eröffnend weiterweisend.
  
 -------------------------------------------------------------------------------------------------- --------------------------------------------------------------------------------------------------
Zeile 541: Zeile 587:
  
 (Sca sbp) (Sca sbp)
 +
 +--------------------------------------
 +
 +===== Clm 5g ===== 
 +
 +(Sca cum 5 gradu)
 +Eine Neume, die wohl nicht zum authentischen Choral gehört.
  
  
Zeile 551: Zeile 604:
  
 [[ant:​2203]] [[ant:​2203]]
-––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––+ 
 +**<fc #​ff0000>​S-Kadenz</​fc>​** 
 +–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
  
 ===== Pes sbp res flx =====  ​ ===== Pes sbp res flx =====  ​
neumen/neuma.1568386310.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/09/13 14:51 von xaverkainzbauer