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cento_an:tt8_mdt
◻️ TT8 TYPOI
▫️ Incipit ▪️ Mediatio ▫️ Novum ▫️ Terminatio

TT8 MEDIATIO

Die „Standardform“, die beliebig erweiterbar ist, kennt im Tetrardus plagalis zwei Mittelkadenzen:
Mittelkadenz von vierteiligen Antiphonen: Mediatio (MDT)
Mittelkadenz von dreiteiligen Antiphonen: Medium (MED)


8MDT princ

ist die häufigste Mediatio des 8 TYPOS princ.

Als Mittelkadenz steigt sie von der Finalis „sol“ bis zum „re“ und endet mit „la-do-si“.


Der Schlussakzent liegt am „do“: als PO 0541, 1335, mehrheitlich aber als PPO 0545, 0644, 1439. Als Ausnahmefall rutscht der Akzent auf die Schlusssilbe „si“: „hierusa-lem0070.

Neben rein syllabischen Fällen werden häufig „do“ und „la“ durch Synärese zur Clivis zusammengezogen: 0053, 1439, 1596, 1777.

Statt der Clivis kann auch (nur) ein Cephalicus stehen, der an das „la“ erinnert; die prätonische Silbe muss dann sorgfältig abgesprochen werden: 0611, 1345, 1655.

Wenn es die Silbenanzahl erfordert, wird auch noch der davorstehende Gipfelton „re“ dazugezogen, und es entsteht ein Climacus „re-do-la“: 0110, 0539, 1907.

Die Übersteigerung des Gipfeltons „re“ mittels Pes „re-mi“ ist ebenfalls möglich 1529: „bene qui-dem dicunt“; die Endsilbe „qui-dem“ wird hier mittels Ceph abgefangen.


8MDT ad fa

Die 8MDT ad fa bewegt sich vom la zum fa, oft ist vor dem Zielton noch ein kPes sol-la.


8MDT ad la


8MDT desc


8MDT dupl


8MED SoLL


Die Grundstruktur des Binnencento ist die fallende kleine Terz „do-la“ und könnte so auch ein 2.Modus sein („fa-re“). Auch der Aufstieg „sol-la-do“ („do-re-fa“) passt noch in den Protus plagalis. Erst der auftaktige Aufstieg vom „fa“ „fa-sol-la-do“ ist nicht mehr dem Protus konform. (0154, 0767, 0873, 0932 1053, 1242, 1732),

Der Cento endet immer auf „la“, es sei denn, der folgende Cento TER „leiht“ sich das „la“ als auftaktigen Ton und zieht es an sich.

Rund um den Karfreitag findet sich eine Variante des 8BIN SoLL, die zwar als dreiakzentige Abart erklärt werden könnte, das aber nicht zwingend. Die Texte könnten problemlos der allgemeinen Melodie unterlegt werden.

Sind sie aber nicht. Der intonierende Aufstieg ist weggefallen, es bleibt der Terzabstieg „do-si-la“ über. In 1037 wird dieser in den ältesten diastematischen Quellen (T1+2) zum Terzfall: „do-do-la-la“ Die Neumen von MR (höhere Virga für unisonische Position) und H (Oriscus mit sursum) bestätigen das.

In 1032 bestätigt sich die rezitativische Struktur dieses BinnenCento „do-la“; T2 verwendet Terzabstieg, T1 Terzfall.

In Toledo bringen noch weitere zwei Antiphonen diese archaische Form des 8BIN SoLL. 5036 T1 allein den dreiakzentigen Text „-cit é-i -sus“. In 5263 gibt es wieder einen kleinen Unterschied zwischen dem älteren T1 (frühes 11.Jh.) und dem jüngeren T2 (mittleres bis spätes 11.Jh). Während T1 nur die beiden Ebenen „do“ und „la“ verwendet, bringt T2 eine einleitende Rezitationsebene „si“.

Es scheint nicht abwegig, diese Fälle des 8BIN SoLL als archaisches Überbleibsel eines älteren Zustandes der Melodien zu verstehen. Das liturgiewissenschaftliche Gesetz von der Erhaltung ältester Formen in liturgisch hochwertiger Zeit scheint hier am Werk gewesen zu sein, immerhin gruppieren sich diese wenigen Fälle um den Karfreitag (Parasceve). So bildet der Cento 8BIN SoLL ein Fenster, das uns einen Blick in die vorschriftliche Zeit der Antiphonen ermöglicht. Drei Entwicklungsstufen lassen sich ablesen:

a) die älteste Form ist die bloße Rezitation „do“, interpunktiert mit dem letzten Akzent auf „la“. b) eine Umspielung und Auflösung dieser Rezitation zusätzliche Akzente, „si“-Rezitation und Durchgangstöne. c) Ausbildung einer vollen Melodie mit Intonation, Binnenverlauf und melodischer Verknüpfung zum Folgecento.


8MED cad


8MED min

Die Binnenformel 8MED min kann in drei- oder vierteiligen Antiphonen stehen und hat keine eindeutige Position (als MDT oder NOV).

Die Grundform besteht aus „la – do – si – do – la“ und lässt sich von der 8MED cad nicht eindeutig abgrenzen.

cento_an/tt8_mdt.txt · Zuletzt geändert: 2019/03/26 06:45 von georgwais