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TRITUS PLAGALIS

Mitarbeit: Wolfram Seitz


6 TYP simpl

Typos simplex des Tritus plagalis

27 mal im Stammrepertoire, 46 mal gesamt

Dieser TYPOS wird für zweiteilige Aussagesätze verwendet, von denen jeder Teil mit „alleluia“ beschlossen ist.

Der erste Teil rezitiert auf „fa“, wobei der letzte Akzent, und wenn PPO dann auch die nachfolgende posttonische Silbe, zum „sol“ steigt. Den Abschluss bildet das „la“ auf der letzen Silbe der Aussage. Das nachfolgende „alleluia“ senkt sich zum „do“ (fa-fa-la-do) und bildet eine Mittelkadenz als eine Art „Dominante“.
Auf dem Ton „la“ der Silbe „alle-lu-ia“ steht immer ein Cephalicus. Der zweite Teil wiederholt den Melodieverlauf des ersten Teiles, das beschließende „alleluia“ führt allerdings zur Finalis „fa“ (la-lasol-sol-fa).

Der TYPOS simplex zeigt eine klare Struktur und eine eindeutige Quellenlage, von einem Faktum abgesehen: Der Unterschwung „mi“ vor dem Aufstieg zum „sol“ (letzter Akzent) ist im zweiten Teil in den Handschriften einheitlich und zweifelsfrei belegt; im ersten Teil ist das nicht der Fall. Zwar schreiben alle diastematischen Handschriften, alle älteren und jüngeren Ausgaben von Solesmes ebenfalls „mi“, die beiden adiastematischen Schriften H und MR widersprechen dem allerdings. Die ununterbrochene Folge von Tractulus vor der akzenttragenden Virga „sol“ verbietet den Unterschwung. Das „mi“ müsste durch den Wechsel von Virga und Tractulus angezeigt sein, wie das im zweiten Teil sehr wohl der Fall ist!

Der Wechsel der „simplex“-Formel von zuerst ohne, dann mit Unterschwung, ist viel reizvoller (lectio difficilior), als die gedankenlose Wiederholung desselben.
Grundsätzlich schreiben Bv und Fo beim zweiten „alleluia“ einen Cephalicus mit Nebennote. Außerdem steht in Bv auf der Silbe „alle-lu-ia“ ein Oriscus.

T1 verwendet auf den ersten Blick grundsätzlich den Unterschwung „mi“ im ersten Teil, mit einigen Ausnahmen: 1104, 1111, 1123, 1124, 1150a und 1248 weichen davon ab. In 1247 erkennt man deutlich die nachträgliche „Verbesserung“ zum „mi“.

Die Handschrift Ka vertritt den „germanischen Choraldialekt“ – um zu vielen Tonwiederholungen vorzubeugen –, indem der Schreiber bei der Anfangssilbe „al-leluia“ im ersten Teil auf das „mi“ geht. Erstaunlicherweise vertritt Fo2 (Paris) ausnahmslos ebenfalls den „germanischen Choraldialekt“. Somit stellt sich nicht zum ersten Mal die Frage, ob der Begriff „germanisch“ für die eigenwilligen Melodievarianten der Handschriften des 12. Jh. in Mitteleuropa formal richtig und zweckdienlich ist.
Um den Zusatzakzent zu verstärken, verwenden Wc in 1266 und Fo2 in 1265 im ersten Teil den „Oberschwung“ zum „sol“.
Wc zeigt auch in zwei Fällen 3417 und 3423 die nicht akzeptable Haltung, dass die melodische Gestalt vorrangig vor der der sprachlichen Akzente ist.
In 1123 ist in Fo2 auf der Silbe „vo-biscum“ zusätzlich zum gewohnten „mi“ auch ein „fa“ geschrieben.


6 TYP arch

Typos archaicus des Tritus plagalis

Der Typos archaicus bildet die Urmelodie im 6. Modus und besteht nur aus der Rezitationsebene „do“ bzw. „fa“ (Ténor = Finalis). Der letzte Akzent der ersten Hälfte wird angezeigt, indem die Silbe zuvor zum „la“ („re“) fällt. Der letzte Akzent des zweiten Teils steigt zum „re“ („sol“). Auch hier bereitet der letzte Ton vor dem Akzent diesen vor. Bereits er steigt zum „re“ („sol“)

Der „Urtypos“ ist der Einfachste des 6. Modus, ja aller Antiphonen. Dennoch besteht eine Variante in 0488. Hier geht er wegen PPO im ersten Teil nicht zur Terz sondern sondern bis zur Quart weiter nach unten. Ob das ein Sonderfall, oder der Normalfall bei PPO ist, ist bei einer Referenzmenge von nur fünf Antiphonen nicht zu entscheiden.

Das „Alleluia“ 0941 verwendet als Melodiemodel die Antiphon „Tu es deus“ (0448). Dadurch entsteht die seltsame Betonung „Al--luia“.


0373, 0401, 0448, 0488, 0941.


6 TYP triv

Typos trivialis des Tritus plagalis

Der Typos trivialis kommt 21 mal im Stammrepertoire vor, natürlich vor allem in den „de-ea-Antiphonen“, den Antiphonen der Wochentage der ungeprägten Zeiten des Kirchenjahres.

Der Typos ist zweiteilig angelegt, wobei der erste Teil auf „re“ endet. Im ersten Teil (6INC triv) geht die Melodie durch die große Terz und zurück (fa-sol-la-sol-fa): Trivium = Dreiweg = Weg durch die große Terz = ganz trivial. Der Text ist zweiakzentig! Der erste Akzent „la“ ist wichtiger als der zweite auf „sol“. Damit entspricht 6INC triv vollständig dem Binnencento des Protus: 1MED triv. Das erste Wort ist meist viersilbig, wodurch sich ein daktylischer Dimeter ergibt ( /./. ), auf der dritten Silbe liegt der Akzent; „Be-ne-díc-tus“.

Der zweite Akzent geht nur zum „sol“, dann fällt die Melodie zum „re“ ab. Dieser Abstieg ist, wie in der Binnenformel des Protus (1BIN triv) Zeichen für einen Doppelpunkt, es wird eine milde Doppelpunktwirkung erzeugt. Sollte der Doppelpunkt drängender sein sollen, so könnte die Melodie auch zum „do“ abfallen, z.B.:0433.

Der zweite Teil besteht fast immer aus vier Silben (z.B.: 0481 „de-us--us“. Aus der Rezitation „fa“ hebt sich die Akzentsilbe zum „sol“. Aber wie im 5.Evangelienton geschieht das nicht erst auf dem Akzent selbst, sondern schon eine Silbe davor; der Akzent ist „vorbereitet“ (fa-sol-sól-fa).

Der Normalfall des Typos trivium stellt 0481 dar.

Am Typos trivium ist sehr gut zu zeigen, wie Silbenanzahl, Akzentverteilung und Aussageabsicht einen Cento variieren können.


Normalfälle: 0372, 0406, 0434, 0452, 0453, 0464, 0481, 0958, 1147, 1703, 2223, 2541, 2550, 2559, 3178,

Kurzformen: 0377, 0381, 0495, 0504,

Sonderfälle: 0376, 0433, 0456, 0458, 1547, 1956,

Solesmes: 3659, 3663.


6 TYP mai

Typos maior des Tritus plagalis

Lange Texte

Rezitative Struktur

Grundsätzlich die üblichen 4 Centones: Incipit (INC) - Mediatio (MED) - Reintonatio/Neuanfang (NEO) - Terminatio (TER).


6INC mai

Incipit der großen Tritus-plagalis-Antiphonen

Die rezitativische Struktur

Diese reziativische Struktur ist wie fast alle Centones vom Schluss her definiert. Sie ist grundsätzlich zweiakzentig, der erste Akzent ist ein 1toniger Pes „sol“, der zweite Akzent ist ein „fa“, das mit einem kPes „sol-la“ auf der Silbe zuvor eingeleitet wird. Fällt zwischen den beiden Akzenten ein längerer Text, so rezitiert er auf „sol“.

Der vorletzte Akzent “sol” wird vom “fa” erreicht, die Melodie steigt mit der Silbe vor dem letzten Akzent zum “la” (kPes “sol-la”) und erreicht mit dem letzten Akzent die Finalis “fa”. Der davor liegende Text rezitiert auf “fa”, nur ein weiterer Akzent, häufig der drittletzte, steigt zum “sol”. Kleine Zusätze zu diesem Modell passen den Cento dem jeweiligen Text an.

Das letzte Wort

Das letzte Wort ist manchmal variiert

Das Incipit

Die 27 Antiphonen des Typos maior eröffnen mit einer rezitativischen Struktur. 19 mal, wenn das erste Wort abgesetzt sein soll, wird der 5-tönige Climacus fa-fa-re-re-do verwendet. Sechs mal eröffnet das Incipit (INC) diesen amplifizierten Climacus nicht (z.B.:0173)

Dieser amplifizierte Climacus ist anfangsartikuliert. Auf die episemierte Virga folgt eine Doppelclivis mit celeriter, diese Zusatzinformation wird im weiteren Verlauf des codex Hartker vernachlässigt.

Die jungen Handschriften Wc, Fo und Zt bringen in allen Fällen die Tonfolge mi-fa-re-re-do, sie zersingen den Climacus um der schönen Melodie willen.


6MDT mai

Der Cento Mediatio im Typos maior des 6. Modus handelt lange Texte ab. Dadurch, kann er sogar zweimal vorkommen

Die rezitativische Struktur

Das 6MED mai hat drei Rezitationsebenen (1.“fa” 2.“sol” 3.“fa”). Am Übergang von der Rezitation “fa” zum “sol” steht der Haupakzent, welcher ein Akzent des 1. Grades ist.

Ebenso, wie in 1INC 5Pes, kann dieser Hauptakzent ein- oder zweiakzentig ausgebildet sein.

Der erste Akzent ist ein Pes subpunctis urgens (alte Bezeichnung : Scandicus subpunctis) “fa-la-sa-la-sol”, der vielfach abgewandelt und emotional gewichtet ist. Der Pes urgens subpunctis / flexus steht auf einem wichtigen Wort, er ist “einfordernt”, und geht meist weiter mit einer Rezitation auf “sol” (zweite Reziatationsebe). Hier besteht eine Verwandschaft zum 5. Evangelienton.

Ein zweiter Akzent auf “sa” kann hinzutreten. Auf ihn folgt eine fallende Linie “sa-la-sol-fa”.

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass der 6MED mai auf “fa” rezitiert. Mit verschiedenen Akzentschärfungen, die in drei Graden gegliedert sind, werden die verschiedenen Akzente für wichtig oder weniger wichtig genommen. Wo es dramaturgisch notwendig ist, wird auf “sol” rezitiert.


Der Akzent

Die Akzente werden hier in drei Grade eingeteilt:

 1. Grad: Mehrtonneume zum "sa"
 2. Grad: Eintonneume zum "sa"
 3. Grad: ein Ton aus der Rezitation kommend

6NOV mai


6TER mai

a) vom „do“ zum „sol“, b) vom „la“ über den Spitzenton „do“ zum „fa“.

Das 6 TYPmai ter ist grundsätzlich zweiteilig. Der erste Teil beginnt am „do“ und geht zum „sol“, und entspricht so dem QINC (Protus von der Quart). Der zweite Teil geht vom „la“ über den Spitzenton „do“ zum „fa“.

cento_an/tr6.txt · Zuletzt geändert: 2021/01/03 13:12 von georgwais