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cento_an:pr2_inc

2 INCIPIT

Der 2.Modus (Protus plagalis) ist die kleine Terz „fa-mi-re“.

Der 2.Modus hat nicht so eindeutige Centones wie der erste. Was hier als drei unterschiedliche Incipits bezeichnet ist, ist eine vielfach wandelbare Gruppe von Formeln/Centones, die meist als Incipit, aber auch als Binnenformel, ja selbst als Terminatio verwendet wird. Wir ordnen diese Vielfalt als

2INC cad fallend com „fa“ zum „re“,

2INC asc aufsteigend „do-re-fa“. Endet die Formel mit „fa“, so führt sie einfach weiter; endet sie mit „re“, so schließt sie ab.

2INC ad3 Rezitierend auf „re“ mit Akzenten zum „fa“. Hierher zählt grundsätzlich auch die M-Form, zweiakzentige Formeln, die zum „re“ zurückkehren.

Die drei Formen sind nicht immer sauber voneinander abzusetzen.


2INC cad

2INC cad ist eine der drei Erscheinungsformen jenes Cento / jener Formel, die den 2.Modus ausmacht. Er fällt vom „fa“ zum „re“ und ist in seiner Grundform einakzentig.


einakzentig fa zum re

Der Abstieg „fa → re“ kann stufenweise mit Einzeltönen erfolgen 0375, oder mit Clivis „fa-mi“ (0436); das hängt nicht von der Zahl der Silben ab; ja es kann auch ein Climacus sein 0717. Der Wert des Akzentes wird damit dosiert, ohne ihn extra zu betonen.

Soll das „fa“ unmittelbar zum „re“ abspringen, so wird das mit Virga strata angezeigt 0082, 1645, 1617. Wenn die diastematischen Handschriften auch meist einen „Halbtonpes“ schreiben, so wird aus dem Kontext doch klar, dass hier ebenfalls die Virga strata nicht zwei Töne bedeutet, sondern verhindern soll, mittels Durchgangston „mi“ zum „re“ zu gehen. Daneben kommt das 2INC cad auch mit kPes vor 0738, 1435. In 0181 wissen auch T1+2 und Bv21+Mc noch um den Terzfall!

Für uns missverständlich kann die Virga strata aber auch auf dem „re“ stehen, um einen Schluss auf „do“ anzuzeigen (Doppelpunkt) 1897 siehe weiter unten.

↘️ Virga strata


zweiakzentig

0682, 1828 Indem das erste „deus“ auf „re“ rezitiert, wird ein erster Akzent verhindert, der Cento bleibt einakzentig.

Ein zweiter Nebenakzent hebt sich zum „mi“ 1875, 0284.

Sind beide Akzente gleichwertig, so stehen sie beide auf „fa“ 0738 In diesem Fall ist der dritte Akzent „méa“ absolut unbetont).

0300 Eine praetonische Silbe und zwei gleichwertige Akzente machen die auffällige M-Form .

0582 Die Clivis nimmt den zweiten Akzent etwas zurück.

0245 Der nkPes „re-fa“ (quilismaticus) ist ein starker Akzent im 2.Modus: „Bé-á-tus“ betont das Morphem („be-“) und den grammatikalischen Akzent („-á-“).


wichtige Worte mit Climacus

Wichtige Worte, oft ist es „dóminus“, denen Aufmerksamkeit zugeteilt werden soll, ohne sie extra zu betonen, werden mit Climacus auf der Binnensilbe versehen 0717.

In der Antiphon „Ante luciferum“ 0300 wird das noch einaml erweitert durch Clivis auf der Endsilbe.

In 0870 geschieht dasselbe, aber statt mit der Clivis mit dem agressiveren nkPes „re-fa“. Der Stachelprügel (framea) ist eine tötliche Waffe.

In der ersten Laudesantiphon der heiligen Caecilia 1657 kommt alles zusammen was gut und teuer ist. „órganis“, die vermeintlich früheste Nennung der Kirchenorgel, hat außer einem zusätzlichen Akzentpes „fa-sol“ noch Climacus und Terzpes „re-fa“ am Ende des Wortes: Starke Betonung.


weiterführend - Doppelpunkt

Soll der Cento weiterführen, eine Doppelpunkt-Wirkung erzielen, so endet er auf dem „do“.

Die Virga strata, die in den einakzentigen Fällen den Absprung vom „fa“ zum „re“ anzeigt, ist in Fällen, wo die Melodie bereits das „re“ erreicht hat, das Signal für das folgende „do“.

In 2056 ist der Doppelpunkt durch den 1tonigen Pes auf „praé-ceptor“ noch verstärkt. Ähnlich zugespitzt auch in 1512, wo auf die Bivirga unmittelbar das „do“ folgt.

es gibt auch die alernative Art einen Doppelpunkt zu setzen, indem der cento zum „sol“ geführt wird (0262, 1897).

Ebenso kommt der Doppelpunkt zum „mi“ vor (0402).

Soll die letzte Silbe zur Finalis geführt werden und nicht der letzte Akzent, wie es für die Endbetonung eines hebräischen Wortes notwendig ist, oder für den verschlüsselten Gottsnamen „DOMI-NÚM“, der für das Tetragramm steht, so wird mit einer Bogengewegung vertont: „mi-fa-re“ (0421).


2INC asc

2INC asc ist eine der drei Erscheinungsformen jenes Cento / jener Formel, die den 2.Modus ausmacht. Der Cento / die Formel ist durch drei Elemente geprägt:

den Aufstieg „do-re-fa“,

den Akzent, meist „fa-sol“, der den Cento prägt und

den Ausgang, der den Cento in den Gesamtablauf eingliedert.


Aufstieg

Üblicherweise ist das erste „fa“ nach dem Aufstieg Akzent (0062).

Der Aufstieg „do-re-fa“ ist bei drei praetonischen Silben um ein „re“ erweitert (1694),

bei nur einer praetonischen Silbe verschmelzen „do“ und „re“ zur Clivis (0340).

Auch die Synärese aller drei Töne ist möglich (1614).

Es gibt aber auch spezielle Synäresen: Clivis „re-do“, um einen breiten, ruhigen Einstieg zu ermöglichen, der grammatikalische Akzent „autum“rutscht auf das zweite „fa“ (0814), damit ist das Morphem „aud-“ in der Akzentposition.

Auch „re-fa“ kann zum Pes (kPes oder nkPes) zusammengezogen sein; der Aufstieg wird gewichtiger (1431).


Akzent

Der Akzent kann, wie in allen vergleichbaren Centones, unterschiedlich stark dosiert sein. Beginnend mit der einfachen Virga (siehe oben, z.B.: 0119) sind Bivirga (0062) oder Pes möglich.

Der Pes kann in allen seinen Schattierungen auftreten:

1toniger Pes (5252) 0Pes

kurrenter Pes (0745) kPes

nicht kurrenter Pes (0055) nkPes

3toniger Pes (2041) 3Pes. Aber auch der

Torculus (Trc) kann die Akzentfunktion einnehmen (0814, 0908).


Ausgang

Wenn das 2INC asc auf „fa“ ausläuft, so ist das die gewöhnliche, spannungslose Weiterführung des Textes (0892).

Der Abstieg oder Absprung zum „re“ bringt den Cento zu Ende, schließt den Sprachbogen ab (0793, 0062, 1188).

Eine spannungsvoll weiterführende Wirkung (Doppelpunkt) haben Centoenden auf „sol“, „mi“ und „do“.

Das „sol“ geht offen auf den folgenden Text zu (0706, (1410).

Das „mi“ wendet den Doppelpunkt ins mysteriöse, wie es dem Deuterus entspricht. Es lässt das Weitere in Schwebe (2043).

Das „do“ ist verwandt den 1FML digit, retard und rever, baut Spannung auf, indem es den Fluss staut (1424).


2INC ad3

2INC ad3 ist eine der drei Erscheinungsformen jenes Cento / jener Formel, die den 2.Modus ausmacht. Er rezitiert auf „re“ und hebt seine Akzente zum „fa“. meistens, aber nicht immer lassen sich diese Formeln /Centones als 2INC cad oder 2INC asc erklären. daher die eher spärliche Anzahl dieser Gestalt des 2INC. cf.1059


Akzente aus der Rezitation „re“ zur Terz „fa“. Das markanteste Beispiel ist die Antiphon „Columna es“ 0055. der Akzentpes „re-fa“ steht zweimal als „unbewegliche Säule“ auf der Rezitation „re“. Bei „quia ómnis“ nocheinmal Akzent, diesmal mit 3tonigem Pes.


2INC cad ad4

Das „Incipit cadens de tertio tono et ascendens ad quartum tonum“ 2 INC cad ad4 ist mit seinem kleine-Terz-Fall (cad) ein Cento des Protus plagalis, obwohl es in den Antiphonen des 2.Modus nur 10 mal vorkommt, im 1.Modus aber 60 mal. Im Deuterus plagalis ist der Cento nahezu konstitutiv (40 mal, im 3.Modius auch noch 4 mal).

Der Cento vertont zweiakzentige Texte, deren erster: „fa“ im Schatten des zweiten: „sol“ steht. Die Melodie geht stufenweise vom fa zum re ab, um ebenso stufenweise das sol zu erreichen. Sehr oft wird das der zweite Akzent torculusartig mit „sol-la-sol“ umspielt.

centologischer Hinweis: 0801 Der Text ist „ges terrae“ betont, nicht wie man meinen könnte „Reges térrae“

Der Cento 2INC cad ad4 ist sehr variabel, konstitutiv bleiben die beiden Akzente „fa“ und „sol“ und dazwischen das Erreichen des „re“, wenn auch nur in einer einzigen Silbe. Der zweite Akzent „sol“ ist oft zum la übersteigert ( 0851, 5359, 0059B, 0244) kann aber, bei schwacher Akzentspannung, bereits der Endpunkt des Cento sein: 0232. Er leitet den nächsten Cento ein und ist vielgestaltig. Er kann die 1FML appl tragen (0295, die Könige bringen ihre Gaben mit Zuneigung), eine Akzenttorculus (1211 Das Holz, würdig zu trágen den Herrn), oder einfach einen Akzentpes (5359 Nardenöl dúftend„)

Der Abstieg von ersten Akzent „fa“ zum „re“ kann je nach Silbenanzahl zu Clivis (0059B) oder auch Climacus (0244) verschmelzen. Aber auch der Ausfalle des Zwischentons „mi“ ist möglich (5359 im Cephalicus versteckt, in 0232 verloren, der Text hat zu wenig Spannung).

Der Aufstieg vom „re“ zum „sol“ kann keinen Ton verlieren.

Eine praetonische Silbe „re“ (sprachlich ausgedrückt) oder musikalisch gesagt: ein Auftakt ist möglich (0232,1211).

Er fließende Übergang zu anderen Centones ist ebenso nicht unüblich, wo dieser Cento selbst als Mischung aus 2INC cad und 1INC ad4 verstanden werden kann.

Ein besonderer Fall ist die typisierte Verschmelzung von 2INC cad ad4 mit 1TER de5 zu einer 1FML. Climacus im ersten Teil und zweimal Pes subpunctis prägen Melodie, die zwischen Formel und Typos angesiedelt ist. Alle drei Stellen sind Verheißungen, die mit „dicit dominus“ abschließen.


2INC sub

cento_an/pr2_inc.txt · Zuletzt geändert: 2019/05/09 07:02 von xaverkainzbauer