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cento_an:pr1_typos

1 TYPOS

Der (einzige) Typos des Protus authenticus


Die Texte der meisten Antiphonen sind psalmogen, auch viele neutestamentliche Antiphonentexte entsprechen der Struktur des parallelismus membrorum: eine Aussage in der ersten Psalmvershälfte wird in der zweiten Hälfte weitergeführt, begründet („quia“ etc.) oder mit anderen Worten wiederholt. Dieser Doppelstruktur-, gregorianisch besser beobachtet: dieser vierteiligen Struktur des Textes entspricht auch eine bestimmte typische Melodie. Jeder Modus hat seinen eigenen TYPOS. Der Begriff Typusmelodie wird vermieden, um einer rein musikalischen Sicht, die vom Text abstrahiert, vorzubeugen. Nicht nur die Melodie, auch der Text ist typisch, ohne diese Textstruktur gibt es diese Melodiestruktur nicht.

Der 1 TYPOS kommt im Kernrepertoire über 40 mal vor (gesamt über 80 mal).

1INC Clv Das Incipit steigt vom re zum la. Immer ist es die Clivis-Intonation.

1MED mdt Das zweite Psalmversviertel führt vom la zum sol zur Mediatio, in ihm liegt die Sinnspitze, der höchste Ton der Antiphon das „sa“.

1MED nov Das dritte Psalmversviertel, die Reintonatio/Neointonatio rezitiert auf sol und führt zum fa.

1TER Die Terminatio führt vom fa zur Finalis re. Hauptsächlich ist es die TER accento penultimo (1TER penult), aber auch Terminatio von der Terz (1TER de3) und Terminatio concisa (1TER conc) kommen vor.

Die Virga strata ist hier eindeutig und zweifelsfrei nichts anderes als das Signal in den nächsten Cento überzugehen. Keine der Quellen schreibt in diesem Typos an Stelle der Virga strata eine Zweitonneume, allerdings macht das Solesmes (cf. 0018, 0199, 0242 etc). Es drängt sich der Verdacht auf, auch der Pes quassus (nkPes mit Oriscus als Anfangselement) könnte weniger eine artikulatorische (=rhythmische) Bedeutung haben, als vielmehr ein struktureller mnemotechnischer Hinweis sein.

vgl. auch 4159


cento_an/pr1_typos.txt · Zuletzt geändert: 2018/10/20 19:21 von georgwais