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cento_an:pr1_inc

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◻️ PR1 TYPOS
▪️ Incipit ▫️ Medium ▫️ Terminatio

PR1 INCIPIT

Der Protus authenticus (PR1) kann seine Aussage auf drei unterschiedlichen Ténorebenen treffen, auf „la“, „sol“ und „fa“.

Zu den drei Ténores kommt noch die Finalisebene „re“, auf der spannungslos unterkühlte Texte beginnen. Das bedeutet, der Protus authenticus hat von vorneherein 4 Ebenen, durch die er festlegt, welche Aussageintensität er einem Text zugesteht:

hoch : la (ad5) - mittel : sol (ad4) - niedrig : fa (ad3) - keine : re (ad1).

Die Möglichkeiten eines Incipit sind wie bei der Terminatio assoziativ weiterentwickelt. Ausgangspunkt ist die Formula alloquium: FML alloq.


1 FML alloq

alloquium = Adresse / Anrede. Diese Formel (FML) übernimmt meist die Aufgabe eines Incipit (INC)

Codex Hartker schreibt beim ersten Erscheinen dieses Cento 0045 „e“ equaliter zwischen erster Virga und dem folgenden kPes, später nicht mehr (Ausnahme ist die MagnificatAntiphon von Weihnachten 0170, wo der Cento 1INC alloquium zum ersten Mal im Inneren der Antiphon erscheint). Das Wissen um die Gestalt des Cento wird wird nun vom Schreiber in der Folge vorausgesetzt, wie in anderen Fällen auch. Anders als heute gängige Ausgaben schreiben wir in allen Parallelfällen unisonischen kPes. Als gegenprobe könnte CO De fructu herhalten 0621: die Betonung liegt auf der zweiten Silbe, sursum verhindert unisonischen Anschluss (anders L !).

Die klassische Gregorianik denkt rezitativisch. Spätestens ab der Jahrtausendwende setzt sich jedoch ein musikalischer Zugriff auf die Rezitative durch: Tonwiederholungen werden durch Wechselnoten zu Melodien aufgelöst, Intervallsprünge werden zu Tonleitern aufgefüllt, die Neumen beginnen mit der ersten Note.

Nicht erst das Tridentinum (Palestrina), schon die Zisterzienserreform kritisiert die „falschen Betonungen“ im gregorianischen Choral. Der Fehler liegt aber nicht bei den „Komponisten“ sondern bei den Ausführenden des 2. Jahrtausends. Der Unterschied zwischen kPes und nkPes (initio debilis) ist vergessen, die Melodien werden verändert, statt unisonischen Anschlüssen werden Sprünge durch Tonleitern ausgefüllt; so wird „di--te“ was „-cite“ heißen würde, wenn die Neumen nicht als Musiknoten missverstanden wären. Die Akzentsilbe „-cite“ ist ohnehin immer, unabhängig von Neumenzeichen, zu betonen 0045, der kPes (Virga urgens) ist nicht mehr als ein Portamento, dessen Beginn gar keine bestimmte Tonhöhe haben kann. Wir schreiben unisonisches „fa“ um von vorneherein das Suchen eines „Zwischentones sol“ zu verhindern. Die FML alloq bildet der Kern des häufigsten Incipits, des 1INC Clv.

Ist die Anrede ein hebräischer Name, der immer auf der letzten Silbe betont wird, so wird der Binnenpes durch den akzentvorbereitenden Torculus (Clivis emphatica, Clivis urgens) ersetzt. Damit wird klargestellt: nicht die erste Silbe ist Akzentsilbe, sondern die letzte 0815, 0738. Der gregorianische Choral verwendet das Wort „dominús“ endbetont, wenn es das „kyrios“ der Septuaginta meint, mit dem das Tetragramm, der unaussprechbare Name Gottes transskribiert ist 0355, 0438.

Die Vermutung, der kPes sollte in der authentischen Gregorianik grundsätzlich immer unisonisch anschließen, wird durch die nicht seltenen Stellen gestärkt, wo beim ersten Ton des Pes durch sursum angzeigt wird, der Pes soll dezitiert nicht unisonisch anschließen! 0046 „Ego áutem“.Siehe hingegen 0049 „quoniam“, wo E+Ch gegen L+MR stehen. 0655 „quia in his“.

unisonischer Anschluss in anderen Kontexten: 0274 „profici-é-bat“ das sursum.

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1 INC Clv

Incipit cum clive - ClivisIncipit. Die Sinnspitze folgt unmittelbar danach

Wenn der Aussagegipfel nicht gleich am Beginn der Antiphon steht aber unmittelbar folgt, wird dieses Incipit verwendet. Dieser Cento ist das häufigste Incipit und kommt im Kernrepertoire über 130 mal vor (im gesamten 300 mal). Kern des Cento sind die drei Silben vor dem letzten Akzent: die drittletzte Silbe ist die Clivis re-do, dann folgen die Silben fa und sol, worauf der Akzent folgt: nkPes fa-la, wie bei der FML alloq.

Der Akzent des letzten Wortes liegt auf dem nkPes fa-la. Ist das letzte Wort ein PPO, so wird der Pes auf zwei Silben aufgeteilt, der zweite (Binnen-) Ton wird durch Urgenz gestärkt (kPes = Virga urgens). Alle diastematischen Quellen schreiben für den ersten Ton des kPes „sol“. Die Erkenntnisse bzw. Überlegungen zur FML alloq werden analog auch hier angewendet.

1036 Ist das letzte Wort Oxytonon (O), „Ab insurgén-ti-bus in “, so rutscht der Akzent natürlich an die letze Silbe, die vorletzte Silbe „in“ ist dann Epiphonus „sol“ und staut den Akzent an.

Soll das Incipit mit Doppelpunkt oder Fragezeichen weitergeführt sein, so wird es wie Oxytonon behandelt: 0235 „Dixit dominus matri suae: mulier ecce filius tuus. ad discipulum autem: ecce mater tua, alleluia“. „Das sprach der Herr zu seiner Mutter: Frau, siehe da dein Sohn; zum Jünger aber: siehe deine Mutter“.

Ein weiteres Mittel die Artikulation des Textes zu modifizieren ist die Clivis drei Silben vor dem Akzent. Die Clivis führt weiter, sie kann aber zum Cephalicus reduziert sein, dann staut der Cephalicus und der folgende Text wird so in seinem Gewicht verstärkt.

0056 „In tua patientia possedisti animam tuam, - Mit deiner Geduld hast du deine Séele bewahrt.

0711 „Tu autem) cum oraveris intra in cubiculum“ - „Du aber) wenn du betest geh in dein Kämmerlein…“.

Die praetonischen Silben (bis zu fünf) vor der Clivis 0079, 1520 rezitieren auf re. Hat dieser praetonische Text einen (leichten) Akzent, der hervorgehoben werden soll, so springt die Rezitation re auf der Silbe vor dem Akzent zum fa. 0063, 1041.

Die weiterführende und verbindende Funktion der Clivis wird nicht selten auch am Ende des Centos eingesetzt 1520. 1676 „Unus ex duobus → qui secuti sunt dominum…“ - „Einer von den beiden die dem Herrn gefolgt waren…“.

1294 „ibat ie-sús“ vermischt „INC Clv -“ mit dem akzentvorbereitendem Torculus.

Die für dieses Incipit typische Clivis kann aber auch die Binnenformel MED triv einleiten. Die unterschiedlichen Centones sind nicht immer klar von einander abgesetzt. Entsprechend einer Gedächtniskultur sind die Antiphonen assoziativ komponiert und so kann der Übergang von einem Cento zum anderen fließend sein 1362.


1INC Clv-

Incipit minor cum clive - Das kleine ClivisIncipit

Wenn der Text für das übliche Incipit cum Clive (= INC Clv) zu kurz ist, nur einen einzigen wirklichen Akzent hat, dann entfallen die beiden Töne fa und sol : auf die Clivis (den Cephalicus) folgt unmittelbar der Akzent nkPes fa-la. Incipit minor cum clive (= 1INC Clv -). Alle anderen Funktionen sind die selben wie bei „1INC Clv“:

Clivis führt weiter 0219 - Cephalicus staut 0600. Auch hier kann der akzentvorbereitende Trc ein auf der letzten Silbe betontes Wort anzeigen ( hebr.Name: „iesús“) 1294. Interessant ist die Nennung der drei Jünglinge im Feuerofen 1950: Sidrác, Misác und Abdénago. Von der Länge des Textes ginge sie das volle INC Clv aus, die Aufzählung ist wie nur einakzentig behandelt, Sidrác und Misác sind endbetont, die beiden Namen sind zusammen wie ein einziger Name behandelt.


Argumente für den unisonischen Pes-Anschluss:

0600 und 0719 schreibt H ein altius auf den oberen Ton des Pes. Das ist nur sinnvoll, wenn der obere Ton höher (altius) als normal (nächster Ton=Sekund) ist. Das celeriter in 0090 weist in die selbe Richtung.

0893 behauptet das sursum das genaue Gegenteil. Soll das „sol“ den Sprachfluss verbreitern, sozusagen das 1188

0682 beginnt normales 1INC clv, das altius bricht aber ab. Ebenso in 0683 und 0910 das sursum. 0967?a.m.!

Fließender Übergang zu1MED triv.


1INC 5Pes

Incipit ad quinto tono per pedem - Die QuintPes-Intonation. Die Sinnspitze steht am Anfang, sie ist ein- oder zweiakzentig

Wenn der Hauptakzent (die Sinnspitze) der ganzen Antiphon bereits an ihrem Beginn steht, so springt die Melodie unmittelbar die Quint hoch zum Ténor la. Mehr als 90 mal wird dieses Incipit im Stammrepertoire verwendet (gesamt ca. 240 mal).

a) Vor der Sinnspitze können 1 bis 4 praetonische Silben stehen.

b) Die Sinnspitze kann ein- oder zweiakzentig sein und die Akzente werden dabei fein gegeneinander abgewogen.

c) Ca. 30 mal (gesamt fast 90 mal) endet der Cento mit FML „applicatio“, der „circulatio“ der Barockmusik.

a) praetonische Silben

Der erste Akzent öffnet immer mit Pes „re-la“ (viel häufiger kPes als nkPes) den Quintraum. Die praetonischen Silben werden syllabisch additiv davorgesetzt:

1 re,

2 do+re,

3 mi+do+re,

4 re+mi+do+re.

Eine einzelne praetonische Silbe allein ist allerdings immer als kPes (Virga urgens) ausgebildet.

In 0666 ist die Wiederholung des „re“ „Si-mi-le est énim“ als Diaerese der einen Silbe „Si-mi-lest énim“ zu verstehen.

In 0237 ist die Abweichung von der Normalform (vide 0245 „Iste est iohánnes“) als zusätzlicher praetonischer Kleinakzent „Íste est iohánnes“ zu erklären.


b) die Akzente

Der (erste) Hauptakzent des Cento ist die Dreitonneume „re-la-si“. Traditionell würde sie als teilweise artikulierter Scandicus bezeichnet (-23). Man sollte ihn besser nkPes urgens nennen, denn seine eigentliche Funktion ist der nk AkzentPes „la-si“ aus der Rezitationsebene la heraus. Verstärkt wird er durch das portamento re-la, das ihn emotional verstärkt (ANG cf.: 0057 ).

1435 Die schwächste Form von Hauptakzent: der bloße kPes re-la. „Misso he--des spiculatore praecepit amputare caput iohannes“. „Hedes schickte einen Soldaten…“ Herodes ist wichtig, aber kaum wichtiger, als der weitere Bericht.

1207 „Túnc práe-cepit omnes igne cremari“ „Dánn befáhl er er ihnen“. Steile Fügung: zwei gleichwertige Akzente, aber beide nicht sehr stark. Ebenso in 0769-do ád patrem meum“.

0211Sáu-lé quid persequeris martyrem meum stephanum“. „Saulus warum verfolgst du…“ Starker Anruf. Der Name „saulús“ ist endbetont.

0218 „Io-cún-dus homo qui“ „Glúecklich der Mann…“ Der Akzent ist stark und wird von keinem zweiten Akzent gefolgt. Ebenso in 1044.

0675 „A--ce nón facio tibi“ „Freúnd ich tue dir nicht unrecht“.

0024Éc-ce -niet deus et homo“ „Síehe, kómmen wird der Gott und Mensch“.

Nach und nach wird ein schwacher Akzent stärker, ein zweiter gesellt sich dazu. Von Fall zu Fall verändert sich das Verhältnis der beiden Akzente zueinander und sie werden immer stärker. Die folgenden drei Beispiele zeigen die Behandlung des PPO ebenfalls steigernd.

0307 „Hódie“, der nkPes re-la wird auf zwei Silben aufgeteilt. 0075 Der nkPes urgens wird auf das endbetonte „Do-mi-ní“ (= HWHJ) aufgeteilt. besonders aufwendig 1065Io-séph áb ari--thea“: „Ioseph ab“, jede Silbe ist für sich betont, dazu noch der Herkunftsort „arimáthea“.

Die restlichen Beispiele sind wieder Normalfälle wie 0675 und 0024, nur dass der erste Akzent bloß ein nkPes „re-la“ ist, er hat weniger Gewicht als der zweite Akzent. Der jedoch kann wieder dreifach abgestuft vorkommen.

0833-bera me -mine“ „Rétte mich Hérr“. „dómine“ ist der wichtigere Akzent, aber dynamisch zu sprechen: kPes. Ebenso 1722Iám non -cam vos servos“: „Aber ich nén-ne euch nicht Knechte“. Im Gegensatz dazu:

0856Mittens háec mulier“ „salbend mich díese Frau“. nkPes. Der letzte Fall ist kaum adäquat ins Deutsche zu übertragen.


c) der "applicatio"-Abschluss

Das Incipit 5Pes wird nicht selten mit 1NMA appl, „applicatio“ abgeschlossen. Im Nachhinein verstärkt sie die im 1INC 5Pes angesprochene Person/Sache und grenzt sie von der nachfolgenden Aussage ab.

Sehr oft transponiert die „applicatio“ die Ténorebene la zum sol tiefer. Dann wird die 5TonNeume Clivissuprapunctisflexus (applicatio) zur 6TonNeume Clivissuprapunctissubpunctis erweitert (applicatio ad sol). Dem Schlusston „sol“ folgt in den adiastematischen Handschriften ein Oriscus. Die diastematischen Handschriften schreiben in etwa gleich oft den Oriscus als eigenen Ton wie sie ihn negieren. Wir deuten den Orisus als Signal, einen neuen Cento zu beginnen.

Die anderen 1INC 5Pes schließen mit la, mit oder ohne applicatio, und führen von dort aus weiter.


d) weitere Beobachtungen

In 0666 sind sich die adiastematischen Handschriften nicht einig, wie der Text zu Klang zu bringen ist. Mont Renaud (MR) legt das Incipit klassisch zweiakzentig an: „-mile est rég-num caelorum“. Hartker hingegen schiebt in den Text ein „enim“ ein und macht dieses zum einzigen Akzent: „Símile est énim régnum caelorum“. Eine Variante, die auf deutsch vielleicht nur mit veränderter Satzstellung übertragen werden kann: „Denn) → das Himmelreich gleicht einem….“


1 INC VrgStr

Initium per virgam stratam indicatum - Anamnese - Vorspann

in sich geschlossener „Vorspann“ der Antiphon, Anamnese (Bestandsaufnahme, Stimmungsmache) bevor die eigentliche Aussage kommt. Erkennbar ist dieser Cento an der namengebenden Virga strata am Beginn.

Die Melodie dieser dreiakzentigen Texte sieht recht unterschiedlich aus, je nach dem das mittlere Wort PO oder PPO ist. Bei PO fällt sie syllabisch ab dem Akzent fa, bei PPO steigt sie nach dem Akzent (nk Pes mi-fa) zum sol um mit Clivis die Finales re zu erreichen. Die einleitenden 3 (auch 2 oder 4) Silben werden ohne Berücksichtigung des Akzentes behandelt.

Bei diesem Cento ist am deutlichsten die Frage zu stellen, ob Virga strata zwei gleich hohe Töne bedeutet, oder ob die Virga (1Ton) durch den Oriscus speziell gedeutet wird (hier als Beginn eines bestimmten Centos). Die Quellen sind uneins. Ka schreibt immer nur einen Ton, die anderen jüngeren Handschriften meist zwei Töne. Die aussagekräftigeren Quellen Benevent (Bv19/20, Bv21, Mc) ebenso wie die Aquitanier (Toledo 44.1, 44.2) wechseln in sich und gegeneinander ab. 0030, 0062, 0363, 0507, 0845. Die Quellen können hier keine Praeferenz bieten, aber sie zeigen die Unsicherheit über den Oriscus (hier in der Virga strata) auf. 1559 Solesmes schreibt selbst dort, wo Hartker und Mont Renaud bloße Virga schreiben zwei Töne! In 1360 schreibt H extra ein celeriter auf den ersten Ton, der sonst Virga strata ist. Solesmes geht hier mit, die meisten Handschriften bleiben beim schematischen Doppelton.

Der Cento ist ansonsten problemlos behandelt:

0026 „Ecce in nubibus caeli )) filius hominis veniet - alleluia“. 0030 „Ecce in nubibus caeli )) dominus veniet cum potestate magna - alleluia“.

0117 Wenn das letzte Wort PPO ist so wird der übliche kPes auf der Binnensilbe verwendet „vé-ni-et“. „Deus a libano veniet )) et splendor eius sicut lumen erit“.

1837 Die drei Anfangstöne können bei nur zwei Silben zusammengezogen werden: „Ìs-ta. „Ista est speciosa)) inter filias hierusalem in cubilbus et in ortis aromatum“.

0809 „é-um mi-sit má-num“ eine Art PPPO; der nkPes mi-fa wird auf zwei Silben aufgeteilt. „Nemo in eum mist manum )) quia nondum veniet hora eius“.

0098 Die drei Anfangstöne sind durch eine vorgesetze Superveniens auf vier erweitert. „Prophetae praedícaverunt )) nasci salvatórem de virgine maria“.

Vermischungen mit anderen Centones kommen nicht selten vor, sind aber bei den je einzelnen Antiphonen zu besprechen.

Das INC der Antiphon 0300 ist ein Beispiel für Anreicherungen: „Ante luciferum genitus“ „Vor dem Morgenstern geboren (Vor der Schöpfung gewesen)“. Das „ánte“ wird mit nkPes zusätzlich akzentuiert, ebenso „luferum“, das noch zusätzlich „urgens“ ist, das heißt, der nkPes fa-sol wird mit portamento (re) eingeleitet. Dazu kommt ein nachgestellter Akzent (kPes) „génitus“= „Ánte lucíferum génitus“. Die Aussage ist so gewichtig, dass der Kern der Aussage zusätzlich einen Ton höher gerückt wird „Ánte lucíferum génitus“(vgl. 0049 „quia mihi curvabitur“)


1 INC "vocatio"

Berufung - Mittel zwischen 1INC Vrgstr und 1INC Clv

Nur vier mal kommt diese Variante der Clivis-Intonation im Stammrepertoire der Antiphonen vor (der fünfte Fall 3183 ist nur in T2 und Wc tradiert) Statt der Töne fa und sol stehen die 2. und 3.Silbe einen Ton tiefer und wenden mit mi und fa die Antiphon Richtung Deuterus und damit ins Mystische. Die folgenden Clives enttonen und führen weiter. So steht die Melodie zwischen 1INC Clv und 1INC Vrgstr.

Alle vier Texte erzählen von Berufungen:
0016 Maria wird vom Engel mitgeteilt, dass sie zur Mutter Gottes berufen ist.
1675 Petrus und Andreas werden am See Genezareth die ersten Apostel. “…sie verließen die Netze und folgten dem Herrn
1900 Samuel hört im Traum die Stimme des Herrn und wird zum Propheten berufen: „Rede Herr, dein Diener hört“.
1901 Die Selbstanklage Davids ist Folge der Erkenntnis, dass seine Volkszählung ein Fehler war; der Tempelbau ist seine eigentliche Berufung.


1INC ad4

zur Quart - mittlere Spannungsebene

Der Cento INC ad4 ist hauptsächlich ein Cento des Deuterus plagalis. Im Protus authenticus ist er kontrastierendes Incipit. Nach, oder vor der Hauptaussage auf der Ebene „la“ folgt die Ebene „sol“ als Gegenaussage, oder Erklärung (cf. 0760).

Die Variationsmöglichkeiten sind die üblichen: Von der bloßen Rezitation sol, dem Akzentpes zum la (k und nk), dem Unterschwung zum mi und dem zusätzlichen Akzent zum la werden unterschiedlich lange Texte adäquat vertont.

Unterschiedlich ist der Aufstieg vom „re“ zum „sol“ je nach Silbenzahl vor dem ersten Akzent. Dieser erreicht grundsätzlich das „sol“. Wenn nur eine Silbe vor dem Akzent steht, muss dieser zum „fa“ vorrücken und der die posttonische Silbe erreicht das „sol“. Ist die erste Silbe Akzent, so wird häufig 1NMA appl eingesetzt, die jetzt allerdings auf „sol“ steht. Auch bloß Porrectus oder Trivirga kommen vor.

drei praetonische Silben:
0028, 0721, 0722

zwei praetonische Silben:
0049, 0056, 0235, 0262, 0283, 0547, 0577, 0621, 0686, 0702, 0747, 0749, 0760, 0781, 0793

eine praetonische Silbe:
0033, 0056, 0058, 0635, 0647

keine praetonische Silbe:
0288, 0341, 0745 , 0554, 0548

Fragezeichen:
0636, 0652, 0721, 0732

cf.: 0547

Verwandtschaft zu 7INC ReSi und 1FML lafa-re


1INC ad3

zur Terz - niedrige Spannungsebene

Die dritte Rezitationsebene des Protus authenticus (PR1 = 1.Modus) ist das „fa“. Die kleine-Terz-Spannung bildet den Protus plagalis, ist der 2. Modus (PR2 = 2.Modus). Seine Centones werden daher dort behandelt. Das Beispiel 0055 ist eigentlich eine Antiphon des 2.Modus, die beiden Terminationes aber sind Protus authenticus (1TER de5 + 1TER verb.add).

2INC ad3

2INC cad

2INC asc


1INC ad1

spannungslos unterkühlter Anfang

cf. 8INC ad1

Diese Einleitung wird verwendet, wenn der Satz völlig spannungslos, unterkühlt beginnen soll. Sie bildet die erklärende Einleitung vor der eigentlichen Aussage 0723 oder gar einer ganzen Geschichte (0721). Dieser Cento kann aber auch als erklärender, abrundender Nachsatz verwendet werden 1737, 2048.

0-2 Silben können auf „do“, der unteren Grenze des Tonraumes im 1.Modus stehen, bevor die Rezitationsebene (Finalisebene) „re“ erreicht wird.

Steht der wichtigere Akzent gleich am Anfang (1. oder 2. Silbe), so steigt die zweite Silbe mit kPes zum re, egal ob der Akzent auf der 1. oder 2. Silbe steht.

Ist der zweite Akzent wichtiger, so staut die praetonische Silbe mit Epiphonus auf „do“, die Akzentsilbe ist dann der erste Ton der Rezitation „re“. In 2324 wird dieser 2. Akzent noch mit Pes verstärkt. „I-bat -sus“

Sind 1. und 2. Silbe wichtig (steile Fügung: “Ó quám venerandus”, oder “Dé-us gratias tibi” die Anrede “Deus” wird auf der Endsilbe artikuliert), so geschieht der Anstieg von do auf re in einem nkPes auf der 1. Silbe.

Ein mit “INT Rez c-d” belegter Einleitungssatz rezitiert weiter auf re (meist 2, maximal 5 Silben) bis zu seinem Zielakzent, der immer auf dem fa zu liegen kommt.

Dem Charakter dieses Cento entsprechend, führt er öfter (4x) unmittelbar in die Formel “FML digitus”, den erhobenen Zeigefinger.


Zusammenschau

Im wesentlichen legen die Incipits das Spannungsniveau der Antiphonen fest. Dabei hat der Protus authenticus drei mögliche Ténores zur Auswahl. Die Quint la als hochgespannte Emotionsebene, gemeinsam mit dem Deuterus plagalis die Quart sol als mittlere Emotionsebene und gemeinsam mit dem Protus plagalis die Terz fa mit niederer emotionaler Spannung. Dazu die vierte Rezitationsebene „re“, die jeder Emotion entbehrt.

Die ersten drei Incipites führen zum la ( INC 5Pes, INC alloq, INC Clv ).

INC „vocatio“ und INC Vrgstr sind in sich geschlossene Teile und führen daher nach dem Aufstieg zum sol wieder zur Finalis re zurück.

Die restlichen drei Incipites führen zu sol (INC ad sol), zum fa (INC ad fa) und zum re (INC ad re).

/var/www/html/wiki/data/pages/cento_an/pr1_inc.txt · Zuletzt geändert: 2019/10/16 10:39 von xaverkainzbauer